Modellbau-ABC von Wilfried Eck

 
 
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"Textilstruktur" 

Trägerflugzeug

Trockenmalen


 

 

"Textilstruktur"

Kett- und Schussfäden mag man, wenn man nahe genug herangeht, beim heimischen Tischtuch erkennen, niemals aber an einem Modell, bei dem allein durch den Verkleinerungsmaßstab die Fäden nicht mehr abbildbar wären. Im Original ist/war eine Bespannung glasglatt. Damit der Stoff gegen Verwitterung geschützt war/ist und im Flug nicht flattert/e, wird/wurde er mit Grundierung, Porenfüller, Spann- und Decklack versiegelt. Die Bespannung ist/war  straff wie ein Trommelfell und hochglänzend. Matt würde sie nur durch eine entsprechende Farbschicht.

Siehe hierzu auch Seite B, "Bespannung"




Trägerflugzeug:
S-3 on deck

Foto: US Navy

Auf einem Flugzeugträger (siehe Seite F) eingesetztes Flugzeug.

Auch wenn ein Flugzeugträger riesig erscheint. ist die für den Flugbetrieb zur Verfügung stehende Fläche relativ klein. Trägerflugzeuge verfügen deshalb über Besonderheiten, die sie von nur für den Landbetrieb bestimmten unterscheiden:

Militärisch gesehen ist ein Flugzeugträger nur so viel wert, wie er an Flugzeugen einsetzen kann. Das Deck mit Flugzeugen vollzupacken hilft dabei gar nichts, denn für Start und Landung muss noch ausreichend Platz vorhanden sein. Deshalb sind seit Ende der 1930er Jahre alle Flugzeuge der US Navy mit beiklappbaren Tragflächen ausgerüstet. Eine Maschine mit ausgeklappten Tragflächen aber ohne Besatzung herumstehen zu lassen, würde keinen Sinn machen. Nur unmittelbar vor dem Start werden die Tragflächen ausgeklappt. Ebenso werden sie unmittelbar nach der Landung wieder beigeklappt.

Wartung findet im Hangardeck unterhalb des Flugdecks statt. Dem gegenüber wird aus Sicherheitsgründen - anders als im WK II - die Munition nur an Deck geladen.

Da üblicherweise an Deck alles dicht an dicht steht und jede Verzögerung unmittelbare Auswirkungen auf den gesamten Flugbetrieb hat, kommt für die Besatzung sogar dem Auffinden des ihnen zugeteilten Flugzeugs Bedeutung zu. Das individuelle Kennzeichen findet sich deshalb oft an verschiedenen Stellen, damit es auch aus ungünstiger Sicht erkannt werden kann.

Individuelle, persönliche Kennzeichen, sind an Trägerflugzeugen nur sehr selten zu sehen. Bei der US Navy ist ehernes Gesetz, dass die Maschine der Regierung gehört und nicht einem einzelnen Piloten. Wer welche Maschine fliegt, wird bei der Flugplanung entschieden. So war es auch im 2. Weltkrieg (Ausnahmen bei Prominenten möglich).   Aus dem gleichen Grund gab es im WK II keine Namensaufschriften. Sie waren explizit verboten. Die gegenwärtigen Aufschriften unterhalb des Cockpits besagen aber auch keineswegs, dass die genannten Personen tatsächlich drinsitzen (vermeintlich "Maschine von ...").  Sie werden hierarchisch zugeteilt. Die Maschine mit der niedrigsten Nummer dem Ranghöchsten, die nächsthöhere dem Stellvertreter, und so fort bis zur höchsten Nummer, die dann den Namen des Jüngsten trägt.  Wer tatsächlich in welcher Maschine sitzt, ergibt sich aus deren Verfügbarkeit (Wartung, Platz im Hangar etc.).

Moderne Trägerflugzeuge verändern ständig ihr Aussehen. Es beginnt damit, dass bei Landstationierung die Aufschrift mit dem Trägernamen verschwindet und endet in der turnusmäßigen Generalüberholung, bei der die Maschine komplett zerlegt, inspiziert und erforderlichenfalls mit Neuteilen ausgestattet wird. Nach der Neulackierung wandert sie in einen Pool, aus dem dann die Zuteilung an die Einheiten erfolgt, die ihrerseits ihre Markierungen anbringt. So manches Flugzeug ist damit älter als der Pilot seine Schwingen hat.

Alle Trägermaschinen werden seit jeher ständig einer Korrosionskontrolle unterzogen, so dass zwar Übermalungen, nicht aber blanke Stellen sichtbar sind.

"Abschussmarkierungen" wurden im WK II oftmals nur in Form von Aufklebern für Publicity-Fotos angebracht, da die Abschüsse eines einzelnen Piloten mit verschiedenen Flugzeugen erzielt worden sein konnten. Verbreitet war hingegen, die Erfolge aller Squadrons an der Insel des Trägers aufzulisten. Persönliche Markierungen waren offiziell verboten (die "Barbara" von George Bush zeigte nach seiner Aussage  weder diesen noch seinen eigenen Namen). Soweit Aufschriften dennoch zu sehen waren, bildeten sie die Ausnahme zu Propagandazwecken. Bei gegenwärtigen sind Namensaufschriften mit sog. "moniker", also Rufnamen (diesen muss sich der Pilot nicht unbedingt selbst ausgesucht haben, er wird ihm verliehen oder angehängt und kann z.B. auch "Crash" lauten), zwar Standard, aber, wie gesagt, nur als Zusatz zu einer Aufschrift, die nach Rangordnung angebracht wird und nichts mit einer persönlichen Zuordnung der Maschine zu tun hat.


Erläuterung von Squadronbezeichnungen und Nummerierung s. Seite V, "VF, VA"

Markierungen der US NAVY 1938 - 1945 allgemein  s. Seite "Markierungen".

Einzelheiten zu aktuellen Air Wings: http://www.lemoore.navy.mil/cags/index.html.

Seriennummern von USN-Flugzeugen und deren Verbleib: http://www.joebaugher.com/navy_serials/navyserials.html

Modellbau: Wie ein realistisches Diorama aussehen sollte und wie nicht,  siehe. Seite D.



 

Trockenmalen:

Trockenmalen wurde von Francois Verlinden, einem Belgier, für die Akzentuierung von Kanten an Panzern erfunden. Zeigen wollte er damit keineswegs bis auf das Metall abgeschabte Farbe, sondern nur einen zarten Hauch, der das Metall lediglich ahnen lassen sollte.

Seine Methode bestand darin, mit einem weichen Pinsel bester Qualität (also teuer) die nur mit der Pinselspitze aufgenommene Farbe, in dem Fall Stahl, so lange auf einem weichen Tuch abzustreifen, bis nichts mehr zu sehen war. In Wirklichkeit waren noch winzige Spuren erhalten geblieben, die er nun mit sachter Bewegung über der Kante verstrich. Was im Ergebnis einige Übung voraus setzte.

Nimmt man einen Pinsel mit groben Borsten, erhält man keinen zarten verlaufenden Farbauftrag, sondern grobe Streifen.

Ist die Farbe zu trocken, bekommt man ein sandiges Relief, ist sie zu nass, verschmiert man die Farbe.

Der gröbste Fehler aber ist die Übertreibung.

Nachdem mir Trockenmalen zu kompliziert und fehleranfällig erschien, habe ich Alternativen ausprobiert, die einfacher in der Handhabung, aber dennoch in der Wirkung überzeugend sind:

Die leicht hellere Farbe mit der Airbrush von oben senkrecht neben das Modell sprühen. Der kaum sichtbare Rand des Farbnebels genügt, um die gewünschte Partie oben heller erscheinen zu lassen.

Zweite Methode: Modell in der gewünschten Farbe malen/spritzen. Nach dem Trocknen der Farbe etwas dunkler übermalen/spritzen. Kurz antrocknen lassen (nicht vollständig!) und dann mit einem mit Verdünnung benetzten Tuch von oben nach unten abwischen. Dadurch kommen die ursprünglich helleren Stellen wieder zum Vorschein, die dunklere Farbe bleibt in den vertieften Stellen erhalten.

In beiden Fällen wird es ratsam sein, andere Stellen vorher abzudecken bzw. zu maskieren.