Modellbau-ABC von Wilfried Eck

 
 
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C

 

Cockpithauben

C.-Rahmen

C.-Hauben selbst ziehen


 

Cockpithauben:

Cockpithauben sind heutzutage kaum noch ein Problem (im Gegensatz zur ziemlichdicken Materialstärke von früher). Ein Überzug aus dünnem Klarlack vorab hebt das Aussehen und schützt auch besser davor, dass man den im Lauf der Zeit angesammelten Staub nicht mehr weg bekommt.

Fehler durch Abschleifen korrigieren kann man, bei dünner Materialstärke aber mit dem Risiko des Brechens verbunden. Selbst ziehen ist gar nicht so schwer, siehe unten, ein Balsaholzklötzchen braucht man dazu nicht,

Ärgerlich aber sind hervortretende Rahmen. Wer gerne Abdeckmasken klebt, freut sich zwar darüber, an der Tatsache aber, dass insbesondere bei modernen Jets absolut gar nichts übersteht, führt kein Weg vorbei. Das Modell sieht "modelliger" aus als es sein sollte. - Selber ziehen ist gar nicht so schwer und man braucht dazu auch kein Balsaholzklötzchen.



 

Cockpit-Haubenrahmen:

Gloster Meteor NF.11

Entsprechend der in Modellbauerkreisen gern übernommenen angelsächsischen Bezeichnung "greenhouse" für gerahmte Cockpithauben hat sich der Glaube durchgesetzt, sie müssten auch wie ein Gewächshaus aussehen. Deutlich hervortretende Wülste mit  Fensterglas dazwischen.

Tatsächlich bestehen die Scheiben aus Kunststoff und überstehen tut meistens gar nichts. Wenn überhaupt, dann in Form eines dünnen Abdeckblechs von weniger als 1 mm Stärke (im Modell nicht mehr darstellbar).  Der eigentliche Rahmen lag/liegt innen. Schon in alten Zeiten achtete man auf eine möglichst widerstandsarme Zelle. Heutzutage steht absolut gar nichts mehr über.

 

 

Bausatzhaube

 

Echt: Glas versenkt

 

Echt: dünne, versenkte Abdeckung

Siehe hierzu einige Beispielbilder von Originalen.

Früher, als Bausätze noch nicht so ausgefeilt waren wie heute, war das Hauben-Bausatzteil mit einer feinen Gravur versehen. Da konnte man verdünnte Farbe hineinlaufen lassen und den Rest ausmalen. Ganz ohne Abdeck-Klebeband. War ungemein praktisch und das Ergebnis sah überzeugend aus. Heutzutage wird mit einer Menge von Ätz- und Zurüstteilen superdetailiert, aber die Cockpithaube wäre im Original mit überstehenden Zaunlatten versehen. - Warum das so ist, ist einfach erklärt: Modellbauer wollen es so und bemängeln andernfalls fehlende Detailierung. So die Antwort eines Herstellers auf die Frage, warum nicht anders.

Im Modell überstehende Rahmen zu entfernen, ist eine Frage von verschiedenen Graden Schleifpapier und Politurpaste. Wem das nicht gelingt bzw. zu aufwändig ist, sollte überlegen, ob Selbstziehen (s. nachstehend) nicht die einfachere und besser aussehende Methode sein könnte. Meine sind aus o.a. Gründen immer selbst gezogen (Prinzip s. unten).

Für die Cockpitrahmen versehe ich Abziehbildreste mit der passenden Farbe und trenne nach dem Trocknen Streifen in der benötigten Breite heraus. Befestigung wie üblich, zur Erhöhung der Klebekraft vorher durch verdünnten Holzleim gezogen. Mittels mit Weichmacher angefeuchtetem Wattestäbchen am Modell glattstreichen.



 

Cockpithauben selbst ziehen:

 

Eine falsche Cockpithaube oder eine mit zu stark hervortretenden Rahmen durch eine selbst gemachte zu ersetzen ist gar nicht so schwer.

Wer meint, man müsse dafür ein Balsaholzklötzchen zurechtschnitzen, schleifen und mit Porenfüller und Anderem glätten, hat entweder eine uralte Lektüre gelesen oder auf jemanden gehört, der nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit ist. 

Für die Form nimmt man entweder "FIMO" (s. Seite F) oder Polyester-Spachtelkitt.

"FIMO" ist eine Knetmasse, die im Ofen bei ca. 170° C hart wie Holz wird und geschliffen werden kann. Polyester-Spachtelkitt bekommt man im Baumarkt in der Abteilung Autoteile, Autoreparatur. Er wird aus der Füllmasse und 4 % Härter gemischt, eine weitere Lage verbindet sich fugenlos.

Wenig praktikabel ist in jedem Fall, die Bausatzhaube als Form zu benutzen, weil man hier automatisch die Außenkontur als Innenkontur bekommt, die Haube also zu groß wird.

Um eine Ziehform zu machen, kann man zwar die leicht eingefettete Bausatzhaube mit Polyester-Spachtelkitt auffüllen, muss dann aber außen etwas aufspachteln, weil die Bausatzhaube dicker ist als das aufzubringende klare PVC.

Am besten beginnt man damit, den Bereich der Cockpithaube mit einem Stück Papier abzudecken (mit Klebeband fixiert) und dann die Außenkontur mit schräg gehaltenem Bleistift abzupausen. Ausschneiden, auf einem Stück Plastik befestigen und ausschneiden. Klebt man daran Seitenwände aus dünnem Plastik, erhält man eine Wanne, in die die angerührte Mischung Spachtelkitt eingefüllt werden kann. Nach einigen Minuten beginnt das Material fester zu werden, der obere Teil kann so bereits grob in Form geschnitten oder geschliffen werden.

Damit die spätere Haube unten keine runden Ecken hat und man Laschen zum Befestigen erhält, empfiehlt sich, die Bodenpartie aufzustocken. Ich befestige dazu Klebeband an den Seiten und fülle eine zusätzliche Schicht ein, die mit abgeschabter Pastellkreise eingefärbt wurde. Damit zeichnet sich die Unterkante der Haube klar ab. Ein in der Zusatzschicht eingestecktes Holzklötzchen oder Leistchen dient als Fuß, damit später die Form aufrecht steht.und unten genug Platz zum Ziehen frei bleibt. Ist das erledigt, Feinschliff, wenn nötig Polieren. Sollte doch etwas auszubessern sein, verbindet sich eine weitere Schicht PVC-Spachtelkitt fugenlos.

Haube ziehen:

Am besten beginnt man damit, ein Stück Papier über den Cockpitbereich zu spannen und dessen Konturen mit Bleistift nachzufahren. Dieses Teil wird auf einem passenden Stück Plastik befestigt und ausgeschnitten. Wände aus dünnem Plastik angeklebt ergeben eine Wanne, die genau dem horizontalen Querschnitt entspricht und mit Spachtelkitt aufgefüllt werden kann. Diese Masse wird allmählich härter, so dass man ab einem bestimmten Stadium damit beginnen kann, mit einem scharfen Messer oder Schleifpapier die spätere Form grob herauszuarbeiten. Ob man nach dem Härten gleich an die Feinarbeit geht oder damit weitermacht, dass man den zweckmäßigen Überstand für Laschen unten anfügt, ist Geschmackssache. Dafür lege ich Klebeband rings herum und fülle eine weitere Schicht ein, die ich mit abgeschabter Pastellkreide dunkel eingefärbt habe. So erkenne ich später die Trennlinie. In diese zweite Schicht wird ein Holzklötzchen oder was sonst passt eingesetzt, damit die Form später aufrecht steht und man zum Ziehen genug Platz hat.

Zum weich machen braucht man Hitze, vorzugsweise durch einen Toaster. Das klare PVC wird zur besseren Handhabung mit Reißnägeln an zwei Leistchen befestigt, dann Handschuhe angezogen und so lange (zwischendurch umzudrehen hilft) über den Toaster gehalten, bis es anfängt, zu glänzen und durchzuhängen. Jetzt schnell zur Form und mit gleichmäßigem Zug herumlegen.

 

 

  Benötigtes Formteil
  Überstand
  Standfuß
  Reißnagel mindestens 4
  PVC-Plastik
  Sperrholz o.ä.
  Loch etwas größer als Formquerschnitt
Von beiden Seiten gleichmäßig erwärmen (z.B. über Toaster).
Mit gleichmäßigem Druck über Form ziehen (Plastikseite unten!).
Warten bis Plastik fest ist, dann entlang der vorgezeichneten Linien ausschneiden.
Formteil entfernen.
  An Cockpit-Innenseite kleben
  In gefräste Rille kleben
  (Dimensionen leicht übertrieben)
 

Fehler / errors:

  • Plastik zu sehr erhitzt (zu weich) oder zu stark gezogen. Resultat ungleichmäßige Stärke.
  • Plastik zu wenig erhitzt und/oder zu stark gezogen. Ungleichmäßige Stärke.
   

Im Detail (in English see English page):

Das Ziehen funktioniert am einfachsten, wenn man ein Stück PVC mit etwas Zugabe mit Reißnägeln auf einer Schablone befestigt, d.h. einem Stück Sperrholz oder anderem festen Material, in das eine Öffnung geschnitten wurde, die etwas größer als der horizontale Querschnitt der Form ist. Dieses Teil wird nun solange über einen Toaster (eingeschaltet) gehalten, bis das Klarsichtmaterial anfängt, zu glänzen und leicht durchzuhängen. Nun wird die Schablone links und rechts gefasst und mit festem gleichmäßigen Druck über die Form gezogen (weil das Teil ganz schön heiß ist, ziehe ich dafür immer Lederhandschuhe an). Einige Sekunden warten, Form entfernen und Überstand abschneiden.

Jetzt kommt der trickreiche Teil. Die Verbindung mit dem Rumpf. Wegen des dünnen Materials ist ja eine stumpfe Verklebung nicht möglich (Finger weg von Sekundenkleber, das Teil bekommt  milchige Ränder!). Die besten Erfahrungen habe ich mit entsprechenden Laschen bzw. Überständen gemacht. Das heißt, im Bereich der Windschutzscheibe eine Nut in den Rumpf fräsen (da hinein kommt ein entsprechender Überstand der Haube), im Cockpitbereich an der Haube Laschen stehen lassen, die mit den Rumpfseiten verklebt werden.

Hat das Original deutliche Übergänge zwischen Haube und Rumpf wie z.B. die F-4, werden diese Teile gesondert gefertigt.

Um beim anschließenden Verkleben nichts kaputt zu machen  wird die Haube vorher entsprechend mit Tesafilm abgedeckt (was man beim Spritzen ohnehin muss). Ob man die Stellen, die später Rahmen darstellen sollen, vorher oder erst nach dem Einbau heraustrennt, ist Geschmackssache. Sie bereits auf die Form anzuzeichnen und nach dem Aufbringen des Tesafilms gleich heraus zu trennen, ist jedenfalls keine schlechte Idee.

Zur Befestigung hat sich Zweikomponentenkleber bewährt. Sollte noch etwas zu verbessern sein, nach Hartwerden des Klebers verspachteln.

Das alles hört sich recht kompliziert an. Ist es teilweise auch, weil man sich zum Einbau der Haube mitunter was einfallen lassen muss. Aber "was mache ich wie" gehört bei mir zum Reiz des Modellbaus und wenn es geklappt hat, freutman sich umso mehr.

P.S.: Auch bei mir klappt nicht immer alles auf Anhieb.

Nebenbei: Mit der gleichen Methode lassen sich auch andere Teile, in meinem Fall sogar ein ganzes Modell ohne jegliches gekaufte Teil bauen. Drei Beispiele sollten genügen:

F5F Skyrocket: MF.1\F5F.of.htm

T2V-1 Sea Star: MF.3\T2V-1\T2V-1.htm

Yukon Queen: MF.3\Yukon_Queen\Yukon_Queen.htm