Modellbau-ABC von Wilfried Eck

 
 
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Panel Lines Pastellkreide Plan Plastikpaste Polyester Preshading Profil "Profiles"
               

panel lines:

Es gibt Schlüsselworte, mit welchen sich Adepten (Duden: Inhaber höchsten geheimen Wissens) subtil zu erkennen geben. "Panel lines" (sprich "pännl lains", fränkisch auch "bennl lains") ist eines davon. Die bloße Nennung genügt, sich als Kenner auszuweisen. Am Modell dadurch zu erkennen, dass es nicht "tot", sondern mit einer Reihe äußerst kunstvoller Verzierungen um jede Rille versehen ist. Dass es sich hier um das exklusive Wissen von Modellbauzeitschriftautoren (und einigen Leuten, die sowieso alles glauben) handelt, ersieht man daran, dass man "panel lines" in keinem Dictionary  findet und man auch bei Leuten, die mit echten Flugzeugen zu tun haben (z.B. Piloten und  Mechaniker), nur auf große fragende Augen stößt. Zwar kennt man im angelsächsischen Luftfahrt-Sprachgebrauch ein "panel", ein Stück Blech, was es aber mit den "lines" auf sich hat, vermag niemand zu erklären.

Für Uneingeweihte: Es handelt sich dabei um um das Zusammentreffen von Beplankungsblechen, bei überlappenden nur durch die Materialstärke des darüber liegenden erkennbar.

Näheres s. "Blechstoß"

 



Pastellkreide:

Mit Pastellkreide lassen sich nicht nur wunderbar Abgasspuren herstellen (vgl. ), sondern sogar - ganz ohne Airbrush -  die bei manchen Modellbauern beliebten Schattierungen um Blechstöße. Von der Kreide abgeschabter "Staub" wird mit einem Wattestäbchen aufgetragen. Natürlich kann man die Farben auch mischen, man wird also auf Weiß nicht Schwarz auftragen, sondern Hellgrau. Bei Abgasspuren mit verschiedenen Tönungen mit der hellsten beginnen. Verunglückte Versuche lassen sich mit einem befeuchteten Wattestäbchen abwischen.

siehe hierzu Modell A-1H Skyraider

 



Plan:

Grundlage der Konstruktion. Bei veröffentlichten Plänen ist zu unterscheiden zwischen Originalplänen des Herstellers und solchen des Publikationsorgans. Originalpläne des Herstellers sind äußerst selten, da sie sich in der Regel aufgrund ihrer zahllosen Konstruktionsdetails kaum zum Abdruck eignen. Im Übrigen gilt es, Plänen mit einer gewissen Vorsicht zu begegnen. So gibt es z.B. von der F6F Hellcat keinen authentischen Plan mehr (Auskunft der seinerzeitigen Pressestelle von Grumman). Das heißt, alle veröffentlichten Pläne der Hellcat differieren in Details, je nachdem, welche Unterlagen der jeweilige Zeichner zu Rate gezogen hat (ich habe den Verdacht, jeder Zeichner baut irgendwo einen Fehler ein, um sein Copyright beweisen zu können). Ähnliche Erfahrungen habe ich auch schon mit anderen Plänen gemacht. Wer es ganz genau haben möchte, sollte sich also in jedem Fall anhand von Fotos vergewissern.

Eine ganz andere Frage ist, was von einem Plan in einen Bausatz übernommen werden sollte. Beispiel P-51 Mustang: Die P-51 hatte ein Laminarprofil, das zwar höhere Flugleistungen brachte, aber auf aerodynamische Störungen empfindlich reagierte. Dem entsprechend wurden auf den Tragflächen mit Ausnahme der Wartungsklappen alle Blechstöße verspachtelt, verschliffen und überlackiert. Außer den Wartungsklappen waren im Original keine Blechstöße zu sehen. Der Graveur des Bausatzherstellers weiß das natürlich nicht, geht nach dem Plan und macht Gräben, die im Original nicht zu sehen waren (und der Modellbauer verstärkt das noch durch schwarze Farbe).

 



 

Plastikpaste:

Klebe- und Füllmasse. Hergestellt aus einer Mischung von Plastikspänen (z.B. aus einem Gießast) und Flüssigkleber. Sie ist gebrauchsfertig, wenn sich die Plastikspäne vollständig aufgelöst haben und eine homogene Masse entstanden ist. 

Geeignet zum Ausfüllen dünner Rillen, in  welchen normaler Spachtelkitt evtl. nicht haltbar ist, sowie größerer Spalten zwischen tragenden Teilen. Hauptsächliche Verwendung bei mir: Zur Befestigung von selbstgezogenen Cockpithauben. 

Schrumpfung ist allerdings zu berücksichtigen.



 

Polyester:

Hochmolekularer Kunststoff mit vielfältiger Verwendungsmöglichkeit. Handelsüblich erhältlich als Gießharz oder Spachtelmasse. Benötigt zum Härten ca. 4 % Härterpaste. Lässt sich schleifen oder aus mehreren Schichten aufbauen.

Hauptsächliche Verwendung bei mir: Formen für Cockpithauben oder andere Formteile.

Da der Härtungsprozess zwar relativ schnell geht, dennoch aber allmählich, kann man bereits angehärtetes Material schon in die ungefähre Form schneiden bzw. schleifen, um nach dem vollständigen Härten (Grad ca. Hartholz) mit verschiedenen Sorten Schleifpapier und Politurpaste eine glänzende Oberfläche zu erhalten.

Zur Materialersparnis kann man auch eine Grundplatte aus dünnem Abfallplastik  in exakter Form mit einem entsprechend hohen Rand versehen und braucht nach dem Aushärten nur noch die vertikale Kontur zurechtschleifen.

Damit beim Ziehen von Cockpithauben etc. die Hände nach unten genügend Platz haben, vorher ein Holzklötzchen oder was sonst der Form Stand verleiht, mit einbauen (spart auch Material).

P. ist auch für Unter-und Hintergründe von Dioramen gut geeignet. Ebenso für Eisenbahn-Modellbauer, da es leichter und widerstandsfähiger als Gips ist.



Preshading:

"Vorschattieren". Kommt natürlich aus dem Angloamerikanischen, weil unsere deutschen Modellbauexperten sich dort weiterbilden. Hierzulande also offenbar nur weitergeben, was sie anderswo gelesen haben.

Im Prinzip ist aber gar nichts dagegen zu sagen. Fleckiger Anstrich oder Verfärbungen geraten so am besten. Grundprinzip: Grundfarbe dünn auftragen. Trocknen lassen. Hellere und dunklere Flecken auftragen. Trocknen lassen. Nochmals dünn überspritzen.

Genauso gut kann man damit dunkle Stellen hinter Motorhauben oder Abgasspuren machen. Die genaue Form ist dabei zunächst nebensächlich. Durch das anschließende leichte Überspritzen kann man die Konturen gut steuern.

Soll ausgebleichte Farbe dargestellt werden, nicht einfach Weiß, sondern einen verwandten Farbton nehmen. Für Olive Drab also mit Gelb aufhellen (Abdunkeln mit Schwarz). Für Sea Blue Blaugrau, für Brauntöne entweder Gelb oder Dunkelbraun (Rot und Schwarz gemischt).

Vorteil des Ganzen: Man kann nie - was leider viel zu oft zu sehen ist - übertreiben. Langt man beim abschließenden Überspritzen zu stark hin, ist nichts mehr zu sehen.

Das Ganze habe ich schon vor zwanzig Jahren gemacht, aber leider nicht daran gedacht, mir den Namen patentieren zu lassen.

stained B-24 model

Beispiel: B-24-Modell

 


Profil:

Aerodynamische Formgebung von Tragflächen und Leitwerk. Teils symmetrisch, teils ausgeprägt asymmetrisch. Faustregel: Profilstärke direkt proportional zum Auftrieb und zum Widerstand. Profiliert werden nicht nur die Tragflächen, sondern auch häufig die Leitwerke. So zeigt z.B. das Höhenleitwerk der F-4 Phantom an der Unterseite eine deutlich stärkere Wölbung, aber auch das Seitenleitwerk der  Me 109 etc. war ausgeprägt asymmetrisch profiliert (mit üblen Folgen für die Flugeigenschaften, wenn ein anders drehender Motor eingebaut wurde).  Mitunter war das Seitenleitwerk an manchen Typen (z.B. F4U Corsair) zusätzlich auch noch ausgestellt .

In Bausätzen wird dem nicht immer Rechnung getragen. Insbesondere die Seitenleitwerke werden häufig symmetrisch profiliert dargestellt. Bei älteren Bausätzen sind die Profile meistens auch noch zu dick. Abhilfe ist hier kaum möglich, allenfalls kann man ein zu dickes Profil durch Abschleifen der Innenkanten etwas reduzieren.

 



 

Profiles:

Mittlerweile eingestellte britische Reihe von Broschüren über einen jeweiligen Flugzeugtyp. Die farbigen Seitenansichten erlangten so große Popularität, dass mittlerweile deutsche Modellbauer jede farbige Seitenansicht als "Profile" bezeichnen.

Solche Farbzeichnungen haben Vor- und Nachteile. Der Vorteil: Man kann sich ein ungefähres Bild vom Aussehen eines bestimmten Typs machen, sich anregen lassen. Der Nachteil: Man sieht nicht das Original, sondern das, was der Künstler gemalt hat. Er muss ja nicht zwangsläufig Experte auf diesem Typ sein. Ein Gegencheck mit realen Vorbildern kann jedenfalls nicht schaden. Insbesondere, was Farben anbelangt!