Modellbau-ABC von Wilfried Eck

 
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Geduld

Geleitträger

Gießast

Graf Zeppelin I

Graf Zeppelin II

Gurte


 

Geduld:

Wichtiger als exotisches Werkzeug oder Ätz- und Zurüstteile. Einfach ausgedrückt: Die Qualität eines Modells steht in direktem Verhältnis zur aufgewendeten Geduld.



 

Geleit-Flugzeug-Träger:

CVE-9 Bogue, bereit für den Atlantikeinsatz 1944

Bezeichnung der US Navy: Escort Carrier, Typbezeichnung CVE (Pilotenjargon: "combustible, vulnerable, expendable"; inoffiziell allgemein auch "jeep carrier"). Ursprünglich - daher der Name - Hilfs-Flugzeugträger zur Konvoisicherung. Anfänglich aus Handelsschiffrümpfen mit anstelle der Aufbauten aufgesetztem Flugdeck. Länge nicht mehr als 160 Meter, Maximalgeschwindigkeit ca. 17 Knoten, Flugzeugbestand variierend, selten mehr als 30. 

Bei der U.S. Navy erkannte man sehr schnell den Wert solcher Träger, d.h. deren universelle Verwendbarkeit. Ausbildungsträger, Flugzeugtransport, U-Boot-Jagd,  Luftsicherung für Flottenträger, Deckung von Landungsunternehmen, um nur die gebräuchlichsten zu nennen. Wegen des großen Bedarfs an solchen Schiffen ab Casablanca-Klasse aus vorgefertigten Teilen in Serie. 

Die britischen Behelfsträger (anfänglich ebenfalls aus gerade verfügbarem Material umgebaut, später dann amerikanische Lend-Lease-Träger) waren im Wesentlichen  zur Geleitsicherung  im Nordatlantik eingesetzt,  im Südatlantik gingen die US-amerikanischen auf U-Jagd (u.a. Kaperung von U-505 durch die USS "Guadalcanal"). Die überwiegende Verwendung der amerikanischen CVE's war aber im Pazifik.

Übliche Flugzeugbestückung der Casablanca-Klasse: TBF/TBM Avenger und FM-1 bzw. FM-2 Wildcat. Nur auf der aus Tankern umgebauten Sangamon-Klasse waren anstelle der Wildcats F6F Hellcats eingesetzt. Ab Mitte 1945 auf der Commencement Bay-Klasse neben den üblichen TBM Avengers eine Mischung aus Hellcats und Varianten der F4U Corsair des Marine Corps, wovon allerdings nur wenige zum Einsatz kamen. 

Entsprechend der bei der US Navy ab Mitte 1944 üblichen Flugzeugmarkierungen trugen auch die auf Geleitträgern eingesetzten Maschinen entsprechende Markierungen ("G symbols"), allerdings einfacherer Art. Das Juli 1945 eingeführte System aus einer Kombination von Feldern und Streifen kam nur noch vereinzelt zur Anwendung. 

Empfehlenswerte Links zu Geleitträgern:

Eigene Seite Geleitträger und Flugzeugmarkierungen

http://www.hazegray.org/danfs/carriers/cve.htm

http://www.hazegray.org/navhist/carriers/us_esc2.htm

 

 



 

Gießast:

In der Herstellung Flusskanal für Polyestermasse und Halterung der einzelnen Teile. Wertvolles Ausgangsmaterial für Eigen- und Umbauten sowie Ergänzungen. 

Grundsätzlich: Über einer Kerzen- oder Feuerzeugflamme weich gemacht, kann es bis zur gewünschten Stärke dünn gezogen werden. Zum gleichmäßigen Weichmachen am besten über der Flamme drehen. Dann je ein Ende fassen und gleichmäßig auseinander ziehen. Ist das Material weich und man zieht stark, erhält man einen dünnen Faden, wartet man einige Sekunden, bleibt er dicker.

Profile: Gießast entsprechend zurechtfeilen, weich machen und ziehen.

Mehrere gleichartig geformte Kleinteile: Kontur aus Gießast herausfräsen, vorsichtig weich machen und auf gewünschte Stärke ziehen, benötigte Teile in erforderlicher Stärke abschneiden. 

Knöpfe, Nieten oder Hebel: Dünnen Gießastfaden seitlich solange an Flamme halten, bis sich das Material pilzförmig zurückwölbt. Für kugelförmige Griffe etwas zurechtfeilen, für Knöpfe kurzen Stiel stehen lassen, Teil bemalen und in vorgebohrtes Loch stecken.

Auch sehr gut als Ausgangsmaterial für den Figurenbau geeignet. Arm- und/oder Beinteil nach dem Weichmachen auf den gewünschten Winkel biegen, nach dem Festwerden passend zurechtschneiden bzw. -schleifen. Dicke Gießäste sind für den Rumpf verwendbar.

Reifen oder andere Rundteile: Weich gemachten Gießast um Kugelschreiber o.ä. entsprechender Stärke so wickeln, dass eine Lage dicht neben der anderen sitzt. Senkrecht durchtrennen und so zurechtbiegen, dass beide Enden miteinander verklebt werden können.



 

Graf Zeppelin I:

Geboren 08.07.1838 in Konstanz, gestorben 08.03.1917 in Berlin. Nach Militärkarriere Erfinder und Erbauer von lenkbaren Starrluftschiffen (im Gegensatz zu den heutigen Werbeträgern, die zwar Luftschiffe sind, jedoch wegen ihrer heliumgefüllten Ballonhülle ohne Innengerüst keine Zeppeline). Zeppeline hatten ein Aluminiumgerüst mit innen liegenden wasserstoffgefüllten "Ballonets" und eine äußere Stoffverkleidung. Mit dem Gerüst verbunden: Gondel und Motoren.

Einzelheiten s. https://de.wikipedia.org/wiki/Ferdinand_von_Zeppelin

 

 



 

Graf Zeppelin II:

Quelle: Bundesarchiv

Deutscher Flugzeugträger, Länge 257,20 m, Breite 30,68 m, nicht fertig gestellt. Name zu Ehren des Erfinders und Erbauers von Starrluftschiffen. Auftragserteilung 16.11.1935, Stapellauf 08.12.1938, endgültiger Baustopp 02.02.1943, Sprengung 25.04.1945, Versenkung durch die Rote Armee 1948/1949 (Datum nicht bekannt).

Ausschlaggebend für den Bau der Graf Zeppelin waren wohl das Washingtoner Abkommen vom 12.11.1921 (erstmalige Nennung von Flugzeugträgern) und das Londoner Flottenabkommen vom 22.01.1930 (Zuteilung der Tonnage an die einzelnen Länder).  Da in den 30er Jahren jede ausländische Marine, die auf sich hielt, entweder Flugzeugträger bereits hatte oder zumindest haben wollte, meinte man wohl auch in Deutschland, hier nicht zurückstehen zu können. Das deutsch-britische Flottenabkommen vom 18.06.1935, nach dem Deutschland 35 % des britischen Kontingents zustanden, wurde deshalb sofort voll in Anspruch genommen und Auftrag für den Bau von zwei Flugzeugträgern erteilt (daneben den Kreuzer Prinz Eugen und das Schlachtschiff Bismarck).  Die für Konstruktion und späteren Einsatz erforderlichen Kenntnisse gedachte man durch Besuche in Großbritannien und Japan zu erwerben.

Das Ergebnis konnte sich schiffsbautechnisch durchaus sehen lassen,  ließ allerdings auch erkennen, dass sich die Marineleitung noch keine rechte Vorstellung von der künftigen Verwendung gemacht hatte. Die in den noch offenen ovalen Aussparungen unterhalb des Decks unterzubringenden acht Lafetten mit je zwei 15 cm Geschützen sprachen eher dafür, dass man mit dem Flugzeugträger ein konventionelles Seegefecht auf Sichtweite auszufechten gedachte. Für diese Entfernungen  brauchte man aber keine Flugzeuge.  Klugerweise verzichtete man später auf den Geschützeinbau, die frei werdenden Räume konnten aber dennoch nicht zur Unterbringung von Flugzeugen genutzt werden, so dass die geplante Zahl von 40 Flugzeugen in krassem Gegensatz zur Größe des Schiffs stand.

 Im Ergebnis war die Graf Zeppelin schon beim Stapellauf technisch veraltet. Insbesondere suchte der eigenwillige und ströranfällige Startvorgang, bei dem das Flugzeug im Hangardeck auf einen Startwagen gesetzt und dann nach oben gefahren wurde, weltweit seinesgleichen. Den ursprünglichen zweiten Träger hatte man klugerweise mittlerweile aufgegeben.

1938 waren die von der Marine ins Auge gefassten Typen Arado Ar 197 (Jäger) und Fieseler Fi 167 (Mehrzweckflugzeug) noch durchaus zeitgemäß, auch die britischen Träger hatten noch Doppeldecker (Sea Gladiator und Swordfish). Vor allem hatten beide ein robustes Fahrwerk und die Fi 167 als Aufklärer auch eine seekriegstaugliche Reichweite. Das Reichsluftfahrtministerium (RLM) dem entsprechend Göring's Devise "Alles was fliegt gehört der Luftwaffe" mittlerweile auch die Marinefliegerei unterstand, hatte jedoch andere Pläne. Zum Einen erachtete man eine parallele Produktion zu Luftwaffentypen als unwirtschaftlich, zum Anderen kam nur das Beste in Frage. Das waren nach Ansicht des RLM der Jäger Messerschmitt Me 109 T , eine Variante der Me 109 E, und  das Sturzkampfflugzeug Junkers Ju 87 C (aus Ju 87 B), durch beiklappbare Tragflächen, Fanghaken etc. trägertauglich gemacht.

Deckslandeversuche mit Ar 197 in Warnemünde

Quelle: Bundesarchiv

 
Der Landehaken hält, der Rest nicht (zu schnell/tief  angeflogen)
Quelle: US Navy

Dass das bereits an Land problematische Fahrwerk der Me 109 den harten Anforderungen im Trägereinsatz nicht gewachsen gewesen wäre, hatte man übersehen.  An Land lässt der Pilot das Flugzeug ausschweben. Nicht so auf einem Träger: Anflug mit lediglich. 6 km/h über "stall speed" (Strömungsabriss), Winkel drei Grad, nach Erreichen der hinteren Deckskante, noch einige Meter hoch, wird das Gas vollständig herausgenommen und der Steuerknüppel gezogen; das Flugzeug fällt nun in Dreipunktlage auf Deck, der Fanghaken fasst (hoffentlich) ein quer gespanntes Fangseil. Liegt in diesem Moment aber das Deck wegen Seegangs schräg, setzt das Flugzeug noch härter als sonst auf nur einem Rad auf (andere Variationen möglich).  Im Ergebnis hätte es, wie auch bei den navalisierten britischen Seafire und Sea Hurricane zu sehen, laufend Bruch gegeben. Diese Erkenntnis blieb dem RLM aber erspart, weil es infolge des Baustopps ab September 1939 gar nicht mehr zu einer Flugerprobung kam. Dass durch die Streichung der Fi 167 kein weit reichender Aufklärer mehr vorhanden war, trug auch nicht zur Kampfkraft des Trägers bei.

Der Einwand, im weiteren Verlauf wären besser geeignete Flugzeuge entworfen und gebaut worden, übersieht den ständig steigenden Bedarf der Luftwaffe. Für Marineflugzeuge fehlte die Kapazität und auch der Wille des RLM.

Die deutsche Marine tat gut daran, dieses Projekt aufzugeben. Die für eine Einsatzbereitschaft unerlässliche Schulung von fliegendem und Deckspersonal hätte man zwar in der Ostsee durchführen können, nicht aber ohne dass die Royal Navy davon Kenntnis erlangt hätte. Alles Weitere, gar ein Einsatz im Atlantik, lag weitab jeglicher Realisierungsmöglichkeit, insbesondere nach Kriegseintritt der USA, deren Trägerflugzeuge über eine ungleich größere Reichweite verfügten.

Im Ergebnis: Ein völlig nutzloses Prestigeunterfangen. Den Bau nicht fortzusetzen war die einzig richtige Konsequenz.

Die für den Bau benötigten Mengen an Stahl hätten besser für den U-Bootbau verwendet werden können. In diesem Zusammenhang darf daran erinnert werden, dass die britische Tonnagebewilligung unter der Voraussetzung erfolgte, dass die deutsche Tonnage an U-Booten die der britischen nicht überstieg.  Mit der Zubilligung von absehbar nutzlosem Flugzeugträgerbau gelang Großbritannien das zu verhindern, was wirklich gefährlich hätte werden können. Deutschland war mit seinem Ehrgeiz in eine Falle getappt.


Empfehlenswerte Adressen zum Flugzeugträger "Graf Zeppelin": https://de.wikipedia.org/wiki/Graf_Zeppelin_(Schiff,_1938)

Empfehlenswerte Literatur: Israel, "Graf Zeppelin", ISBN 3-7822-0602-9, Koehlers Verlagsgesellschaft mbH Herford

 

 



Gurte:

Modell-Sitz

Eigenbau MB Mk. 7 für Modell F-8H

In Material, Farbe und Ausführung verschiedene Textilstreifen mit Metallbeschlägen, die verhindern, dass der Pilot die Instrumente mit dem Kopf nach unten ablesen muss. Aufmerksame Modellbauer berücksichtigen das. Schön parallel ausgerichtet, hängen zwei Streifen absolut senkrecht die Rücklehne bis zum Sitz herab. Da aber ein Flugzeug selten für eine Person allein gebaut wird, berücksichtigen im Original die Hersteller dies und machen ihre Gurte verstellbar. Das heißt, über eine gewisse Strecke liegen zwei Bänder schlaufenartig übereinander, ein Zipfel hängt irgendwie herab. Nur ganz selten parallel. Wenn's ordentlich zurückgelassen wurde, sind aber Schulter- und Beckengurte miteinander verbunden. Bei modernen Schleudersitzen ist der Pilot (oder die Pilotin) mit einer ganzen Reihe von Gurten und Bändern mit dem Sitz verbunden (vgl. GC-7A für F-104). Allen diesen Konstruktionen gemeinsam ist, dass die Schultergurte nicht am Beckengurt, sondern an den Schultern in ein ärmel- und beinloses Kleidungsstück eingeklinkt werden, das die früher üblichen Fallschirm-Haltegurte ersetzt. An den Schultern hat er/sie somit zwei Sorten von Gurten: Das eine - feste - Paar läuft zum Fallschirm, das andere - auf lose oder fest einstellbare - in den Sitz.  Dementsprechend schlängeln sich bei einem Schleudersitz allerlei Gurte die Lehne herab, auf dem Sitz liegen die Beckengurte und an den Füßen Rückhaltebänder (ebenfalls selten ausgerichtet).  Und, wird selten beachtet: An jedem Sitz hängt im Stand am Sicherungsstift ein rotes Warnungsband.  Das alles ist auch mit den besten Resinteilen nur unvollkommen nachzubilden (und noch schwieriger zu bemalen), so dass Selbermachen manchmal der einfachere, auf jeden Fall besser aussehende Weg ist.

Nachbemerkung: Bei Flugzeugen des ersten Weltkriegs bis in die späten dreißiger Jahre waren oftmals wegen der erforderlichen Bewegungsfreiheit des Piloten nur Beckengurte vorhanden (in letzterem Fall häufig verbunden mit einer breiteren Auflage).  Muss im Modellbau typabhängig geprüft werden.

Im Modell: 

 

Empfehlenswert zu Schleudersitzen: http://users.bestweb.net/~kcoyne/frame_sg.htm