Modellbau-ABC von Wilfried Eck

 
 
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B

 

Bespannung

Betrachtungsabstand

Blechstoß

Boyington

Bush, George


 

Bespannung:

Seite Bespannung im Original

Lange Zeit Gewicht sparende Oberfläche von Flugzeugzellen. Die durch Vernähen aufgebrachte Leinwand wurde mit Schichten von Porenfüller, Spann- und Decklack gespannt und gegen Witterungseinflüsse versiegelt. Im Ergebnis straff wie ein Trommelfell und spiegelglatt.

Ein einziger Blick auf das Original zeigt, dass wellenförmige Durchhänger und "Textilstruktur" üble Konzessionen an Detailfreaks sind, die den konstruktiven Aufbau auch äußerlich visualisiert sehen möchten. Im Klartext: Schwachsinn! Eine durchhängende, nicht straff gespannte Leinwand würde im Flug flattern und abreißen. Textilstruktur ist bereits am Esstisch kaum erkennbar, maßstäblich verkleinert mit Sicherheit gar nicht. Davon abgesehen ist ein Tischtuch nicht mit Porenfüller, Spann- und Decklack versehen.

Ein Blick auf das Original zeigt auch, dass sich Bespannung auch nicht durch überstehende Leisten bemerkbar macht.

Im Modell lassen sich solche Ausrutscher  nur mit Mühe korrigieren. "Textilstruktur" lässt sich abschleifen, bei den üblichen Durchhängern zwischen den Rippen hilft allerdings nur  Verspachteln: Spachtelmasse  bündig zwischen den Rippen auftragen, gründlich trocknen lassen und dann sachte verschleifen. Da Polystyrol härter ist, als Spachtelkitt, treten die Rippen minimal hervor, gerade so wie im Original).

Leichter wird es bei WK I-Flugzeugen oder sonstwie überdetailierter Bespannung. Neue Teile kann man mit geringem Aufwand selbst machen:

Seite Bespannung selbst gemacht.

 



 

Betrachtungsabstand:

Abstand zum Objekt. Ein Modell wird üblicherweise aus einer Entfernung von 50-100 cm angesehen. Anhand des Maßstabs lässt sich leicht ausrechnen, wie weit man vom Original entfernt wäre. Das wären bei 1/48 grob geschätzt 30 Meter. Alle Einzelheiten, die da noch erkennbar sind, sollten auch im Modell zu sehen sein. Auf alle, die nicht sichtbar sind, kann man verzichten bzw. sollte man sogar, um das Modell nicht unrealistisch überdetailiert zu machen. Dies gilt insbesondere für Blechstöße. 

Beispiel hierzu: F-4F nachstehend bei "Blechstoß."

 



 

Blechstoß:

Detail F-15

Zum Vergrößern anklicken (click for enlarged view)

Fuge zwischen zwei Beplankungsblechen. Im Original etwa so stark wie ein Bleistiftstrich (vgl. Nahaufnahme F-15). Größere Abstände verbieten sich aus aerodynamischen Gründen. Die Maschine böte zuviel Widerstand und würde, so sie überhaupt vom Boden abheben könnte, bei höherer Geschwindigkeit zerlegen. Im Übrigen ist nicht alles, was im Plan als Strich erscheint, im Original ein Blechstoß.

Im WK II waren die meisten Flugzeuge überlappend vernietet. Blechstöße waren deshalb nur um Wartungsklappen oder Baugruppen zu sehen.

Bereits eine überschlägige Rechnung zeigt, dass sich ein Blechstoß von im Original durchschnittlich 0,2 mm im Modell in Tausendstel Millimeter niederschlagen müsste, also nicht mehr darstellbar ist. Warum also etwas, was schon im Original auf kurze Entfernung nicht mehr sichtbar ist (falls überhaupt vorhanden!), im Modell durch schwarze Farbe hervorheben? Das Modell wird dadurch realitätsferner. Niemals sieht eine echte Maschine so kariert aus.

Die gerne verwendete Begründung, in einem Blechstoß sammele sich Schmutz an, braucht nicht näher auf ihren Wahrheitsgehalt geprüft zu werden. Ein Blechstoß wird durch Schmutz nicht breiter.

Ein weiterer Punkt ist der Betrachtungsabstand zum Modell. Ein dreiviertel Meter würde im Original ca. 30 Meter betragen. Auf diese Entfernung ist von Blechstößen nichts mehr zu erkennen (Beispiel obige F-4F).


 

Eine Ausnahme, die einzige, soll der Korrektheit halber nicht verschwiegen werden: Es gab einen Typ, dessen Blechstöße so weit auseinander klafften, dass die Maschine am Boden ständig an Treibstoff verlor und deshalb gleich nach dem Start wieder aufgetankt werden musste. Das konnte sich so lange wiederholen, bis die Maschine ihre Standardreisegeschwindigkeit erreicht hatte. Das war jenseits von Mach 3. Durch die Hitzeausdehnung (die Maschine wurde insgesamt 8 - 10 cm länger) schlossen sich dann die vormaligen Spalten. Der Typ hieß SR-71. 

 



 

Boyington, Greg:

Legendärer Kommandeur der VMF-214 "Black Sheep" des Marine Corps. Gleichermaßen berühmt als Staffelkapitän wie als Raufbold und Trinker. Nach (teilweise hinzugedichteten) Abschüssen am 03.01.1944 angeblich von Masajiro Kawato (19 Jahre alt) abgeschossen. Überlebte in Gefangenschaft.

Im Modell ist zu berücksichtigen, dass Greg Boyington nach eigener Aussage in seinem Buch "Baa Baa Black Sheep" darauf bestand, an seiner Maschine keine Abschussmarkierungen zu haben, um nicht den Gegner auf sich aufmerksam zu machen. Das veröffentlichte Foto, das solche Abschussmarkierungen zeige, sei ein reines Propagandafoto, bei dem die Markierungen nur zu diesem Zweck aufgeklebt worden waren. Im Übrigen sei es gar nicht seine Maschine gewesen, sondern eine zufällig in der Nähe stehende.

Einer von vielen Links zu diesem Thema:

http://www.acepilots.com/usmc_boyington.html

 



 

Bush, George:

Trat an seinem 18. Geburtstag, 12. Juni 1942, in die US Marine ein und erhielt am 9. Juni 1943 auf der Marinebasis Corpus Christi von Rear Admiral Alfred E. seine Schwingen. Am 8. November 1943 der Torpedobomber-Staffel VT- 51 zugeteilt (dabei TBM-1 "51-C-2" bei Übungslandung auf den Bauch gelegt). Ab 23. Januar 1944 Zuteilung der VT-51 zur CVL-30 "San Jacinto" (Leichter Träger, aus Kreuzerrumpf umgebaut, rd. 1.600 Mann rein texanischer Besatzung). Bei Landeübungen rd. die Hälfte aller Maschinen an Unfällen beteiligt,  zwei Tote, neun Verletzte. Bush allerdings absolvierte zwischen 24. Januar und 29. November 1944 insgesamt 116 Landungen ohne jeden Zwischenfall.  Einteilung von Bush in "Tare 2" (phonetisch: Torpedobomber Nr. 2) hauptsächlich zur photografischen Aufklärung. Seine TBM trug auf der Mitte des Seitenruders die Markierung der CVL-30/VT-51, ein "X", auf der Seitenleitwerksflosse etwas tiefer die "2". Entgegen modernen Darstellungen zeigte Bush's Tare 2 niemals seinen oder den Namen seiner Verlobten bzw. späteren Ehefrau Barbara. Persönliche Aufschriften waren auf der San Jacinto  - wie bei den meisten Trägern - ausdrücklich verboten. Ausnahmsweise flog Bush am 2. September 1944 Tare 3, sein etatmäßiger Schütze Leo Nadeau auf diesem Flug durch den Artillerieoffizier William "Ted" White ersetzt, der zum Leidwesen von Nadeau Geräte unter Einsatzbedingungen testen wollte; drittes Besatzungsmitglied Funker John Delaney. Ziel: Funkstationen großer Reichweite auf Chi Chi Jima (Bonin Inseln). Katapultstart 7.15 Uhr, Ziel erreicht ca. 8.25 Uhr. Als Bush aus 8.000 Fuß in steilen Sinkflug überging, wurde Tare 3 von der Flak im Motor getroffen. Ungeachtet der Rauchentwicklung im Cockpit und der Flammen nahe den Flächentanks setzte Bush seinen Angriff fort, löste seine vier 250 kg Bomben und drehte zur See ab. In ca. 1.500 Fuß Höhe gab er den Befehl zum Absprung. Sein Staffelkamerad Melvin sah jedoch nur zwei Personen aussteigen, von denen sich nur ein Fallschirm öffnete (wer der Unglückliche war, konnte nie geklärt werden). Bush wurde um 11.56 Uhr vom U-Boot "Finback" aufgefischt, nachdem seine Kameraden mit MG-Feuer japanische Schnellboote vertrieben hatten. Für diesen Einsatz erhielt Bush später das Distinguished Flying Cross. Zuvor aber hatte er bis zum Ende seines Gastaufenthalts,  am 24. September,  Gelegenheit, sowohl japanische Wasserbombenangriffe als auch die Versenkung zweier japanischer Frachter  hautnah mitzuerleben.

Erst am 2. November 1944 kehrte er zur San Jacinto zurück. Die neue Maschine, wieder Nr. 2, X plus 2 aber auf einem seeblauen Band nebeneinander, flog er allerdings nicht mehr lange. Am 30. November 1944 ging VT-51 in Guam von Bord der San Jacinto. Bush hatte 58 Kampfeinsätze geflogen, erhielt Urlaub und heiratete am 6. Januar 1945 seine Barbara.

(Auszug aus "Stinett, George Bush, His World War II Years".)

P.S.: Präsident der USA und Vater eines künftigen Präsidenten wurde er dann später.

 

Foto von CVE-30, San Jacinto: http://www.chinfo.navy.mil/navpalib/ships/carriers/cvl-30a.jpg

Gemälde von "Tare 2" über CVL-30 von Robert Taylor: http://www.leisuregalleries.com/lowholding.html

Ausführlicheres zu Bush-Einsätzen: http://www.history.navy.mil/faqs/faq10-3.htm

Biografie Bush: http://bushlibrary.tamu.edu/biographies/president/bio.html