Modellbau-ABC von Wilfried Eck

 
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Schleudersitz

Scratch

Spachtelmasse

Starfighter (F-104G)-Wartung


 

Schleudersitz:  

Rettungsgerät für Besatzungen von Militärflugzeugen. Zunächst pneumatisch, dann pyrotechnisch betrieben. Diente der Schleudersitz ursprünglich nur dazu, das Besatzungsmitglied soweit aus dem Flugzeug zu katapultieren, dass es nicht mit dem Leitwerk in Berührung kam (für eine sichere Rettung also Mindestgeschwindigkeit und -höhe nicht unterschritten werden durften), verfügen moderne Sitze über ausgeklügelte mechanisch-elektronische Systeme, die eine sichere Rettung sogar aus dem Stand ermöglichen. Das hat seinen Preis, weshalb - anders als früher - benutzte Sitze wieder aufgearbeitet und erneut eingebaut werden.

Im Prinzip ist ein Schleudersitz wie folgt aufgebaut: 

Treibsatz, Sitzschale, Fallschirmbehälter, Leitschienen, Ausschusskanone, Auslösegriff/e. Daneben: Elektronische Steuergerät/e, Schlauchboot mit Überlebensausrüstung, Sitz- und Rückenkissen sowie Anschnallgurte. Am Boden verhindern ein oder mehrere Sicherungsstifte mit roten Warnungsbändern einen unbeabsichtigten Ausschuss. Sie werden erst unmittelbar vor dem Start vom Wart entfernt.

Auslösegriffe für den Ausschuss befinden sich üblicherweise über dem Kopf und zwischen den Beinen. Bei mehrsitzigen Maschinen kann auf Einzel- oder Serienausschuss eingestellt werden. Bei modernen Maschinen kann der Ausschuss sicherheitshalber*  auch direkt durch die Cockpithaube erfolgen, der Sitz verfügt in diesen Fällen auch über einen "Haubenbrecher". Ergänzend hierzu ist in vielen Flugzeugen in die Haube eine Sprengschnur eingebaut, die Millisekunden vor dem Ausschuss durch die Betätigung des Auslösegriffes aktiviert wird. 

*) Wer den Film "Top Gun" gesehen hat, wird sich erinnern, wie "Maverick" und "Goose" ihre außer Kontrolle geratene F-14 verlassen wollten, "Goose" aber mit der zwar abgeworfenen, aber immer noch über der Maschine schwebenden Cockpithaube kollidierte und dabei zu Tode kam. Ein Vorfall, wie er sich bei einigen realen F-14 tatsächlich ereignet hat, bedingt durch die Aerodynamik der F-14 (dieses Insiderwissen in einem Film zu sehen, konnte nur bedeuten, dass zumindest das Drehbuch von der US Navy stammte).

Um die für eine sichere Fallschirmöffnung erforderliche Höhe zu erreichen, arbeiten die Raketentreibsätze mit Brachialgewalt. Der Auslösegriff über dem Kopf des Piloten sitzt dort nicht zufällig. Durch das Herabziehen (wodurch gleichzeitig ein das Gesicht schützender Vorhang herausgezogen wird) strafft sich der Oberkörper. Sitzt der Pilot nicht absolut aufrecht (z.B. weil der Pilot von der trudelnden Maschine nach vorne seitwärts gedrückt wird), sind Rückenschäden unvermeidlich. Man sieht dies ganz pragmatisch: Im Rollstuhl ist immer noch besser als tot.

Wie hervorragend der russisches K- Sitz ist, konnte in jüngerer Vergangenheit öfter bewundert werden. Er verfügt sogar über ein Schutzschild für das Gesicht des Piloten, das auch Ausschuss aus hohen Geschwindigkeit vor Verletzungen schützt.

Eine absolut aufrechte Haltung ist natürlich auf Dauer sehr hinderlich. Die in den sog. "torso harness" an den Schultern einzuklinkenden Rückhaltegurte  sind deshalb nicht nur auf die Körpergröße verstell-, sondern auch auf fest oder nachgiebig einstellbar. Das in den Fallschirmbehälter laufende zweite Gurtpaar wird ebenfalls mittels sog. "Koch fittings" in den "torso harness" eingeklinkt. Der Unterkörper wird durch Beckengurte fixiert, die Beine durch einklinkbare Sporen oder Bänder.

Siehe auch: GC-7A und GH-7(A)-2 aus "Originalfotos 1

 

 


 

Im Bausatz sind produktionsbedingt alle Sitzschalen zu dick. Im Original haben sie nur Blechstärke. Man kann die entsprechenden Bausatzteile  innen abschleifen, muss dann aber Sitz- und Rückenkissen verbreitern. Da die Rückenkissen nicht selten aus einem festen und einem losen Teil bestehen, wovon der letztere meist deutliche Falten aufweist, ist Überarbeitung in jedem Fall von Vorteil. Ich mache meine Schleudersitze grundsätzlich selbst, weil auch Resinteile - abgesehen davon, dass sie teuer sind und erst bestellt werden müssen - produktionsbedingte Einschränkungen aufweisen und schwierig zu bemalen sind. Selbermachen ist zwar etwas zeitaufwändig, bringt aber bessere Ergebnisse und ist bei weitem nicht so schwierig, wie man annehmen möchte (problematisch sind nur die Auslösegriffe):

*) Schleudersitzgriffe: Neben der Stärke besteht das Hauptproblem in der Bemalung.

Im Original läuft die gelbschwarze Markierung nicht abschnittsweise, sondern spiralförmig:

Nimmt man Draht, muss man also den Draht zuerst bemalen und dann in Form biegen.

Ich nehme FIMO (s. Seite F): Je einen dünnen Strang gelbes und schwarzes Fimo gegeneinander verdrehen und gleichzeitig solange etwas auseinanderziehen, bis gewünschte Stärke (Dünne) erreicht ist. Dann Form auf einem Stück dünnem Blech (z.B. aus Coladose) anordnen und das Blech über einer Kerzenflamme vorsichtig erhitzen. Fängt das Material an, leicht zu glänzen, ist es fertig, raucht es, ist es schon recht "well done." - Dass es beim ersten Mal gleich auf Anhieb klappt, kann ich nicht versprechen, aber versichern, dass es geht. Bei 1/72 könnte es allerdings schon Probleme geben. 

 

*) Handhebel: Gießast über Kerzenflamme dünn ziehen, ein Stück abschneiden und seitlich (!) so lange an eine Kerzenflamme halten, bis sich das Material zurückwölbt; mit Schleifpapier auf Kugelform zurechttrimmen.

Stangen etc. fertigt man ebenfalls aus dünn gezogenen Röhrchen (wer kein passendes Material als Polystyrol bekommt, kann auch Wattestäbchen über einer Kerzenflamme dünn ziehen, braucht zum Verkleben aber Sekundenkleber) bzw. Gießastteilen. Soweit im Original blanke Rohre zu sehen sind, empfiehlt sich Draht bzw. ein Stecknadelstück (Steckt man es vor dem Dünnziehen des Röhrchens in dieses, erhält man beim Dünnziehen automatisch den passenden Innendurchmesser).

 

 



 

Scratch:

Eigentlich "start from scratch".  Angloamrikanische Bezeichnung für Eigenbau eines Modells. Da "scratch" soviel wie kratzen (vermutlich am Kopf)  bedeutet, zeigt dieser Ausdruck, worauf es dabei ankommt. Man muss sich etwas einfallen lassen, kreativ sein. Natürlich dauert das Ausprobieren, was geht, was nicht, seine Zeit. Weshalb es heutzutage kaum noch Eigenbauten gibt. Es gibt ja Zurüstteile und Umbausätze. - Was aber, wenn es das nicht gibt... ? - Mir fallen einige Typen ein, für die es in 1/48 weder Bausätze noch sonstige Teile gibt, und das waren durchaus keine Exoten (z.B. F2H Banshee, F11F Tiger).

Wobei noch nicht ausgemacht ist, dass Resinteile immer das Nonplusultra sind.

Ein Modell selber zu machen ist durchaus möglich, vgl. Modelle F5F Skyrocket und T2V-1 SeaStar

Seiten zum Thema Eigenbau (in der Liste unten)



 

Spachtelmasse:

Angloamerikanisch: "Putty". Ob man sündhaft teuere Produkte aus dem Modelbauzubehörhandel kauft, oder normalen Spachtelkitt aus dem Baumarkt, der seinen Zweck genauso erfüllt (z.B. Glasurit Universalspachtel), mag jeder selbst entscheiden.

Zum Ausfüllen feiner Risse/Spalten hat es sich jedenfalls bewährt, die Spachtelmasse mit Plastikkleber zu verdünnen, wobei man wie üblich auf Lüftung achten sollte.

 



 

Starfighter (F-104G)-Wartung

Die kontrovers beurteilte, aber von den Piloten gern geflogene  F-104G Starfighter ist viel beschrieben worden, in der Bundeswehr aber nun Geschichte. Wie hingegen der tägliche Arbeitsalltag in einer Wartungsstaffel aussah, ist weniger bekannt.

Sehr empfehlenswert ist deshalb die Seite eines ehemaligen Bundeswehr-Wartes, der informativ und nicht ohne Humor den Alltag in der Wartung der F-104 G beschreibt

 http://www.rolfferch.de/F104G/index.html

Allgemeine Geschichte und technische Beschreibung