Modellbau-ABC von Wilfried Eck

 
 
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C

 

Cockpithauben

C.-Rahmen

C.-Hauben selbst ziehen


 

Cockpithauben:

Ein Modell kann noch so gut gebaut sein, auf einem Foto erkennt man es in der Regel sofort an seiner Cockpithaube. Weil das Bausatzteil nie so dünn sein kann, dass es maßstäblich dem Original entspräche und des Weiteren Polystyrol  einen anderen Brechungungsindex als Glas oder Perspex hat.

Eine deutliche Verbesserung erzielt man - insbesondere im Maßstab 1/72 -, wenn man die Cockpithaube mit Klarlack überzieht. Er sollte allerdings nicht nachdunkeln. Wer es bekommt, nimmt "Future".

Selbst ziehen ist darum zu überlegen, wenn es ein Spitzenmodell werden soll. In jedem Fall aber, wenn die Bausatzhaube korrekturbedürftig ist. Korrigieren-Wollen bringt selten gute Ergebnisse.

Ein weiterer Aspekt: Staub gelangt auch in die schönste Vitrine. Hat der sich aber erst mal auf dem Modell einquartiert, bekommt man ihn durch Abbürsten allein nicht vollständig weg und nach einigen Bürstungen stellt man fest, dass die Haube nunmehr etwas matter ist (Staub schmirgelt auch). - Meine Modelle mit selbstgezogener PVC-Haube wasche ich ab und die Haube ist auch erwiesenermaßen nach 30 Jahren noch glasklar.

 



 

Cockpit-Haubenrahmen:

Gloster Meteor NF.11

Entsprechend der in Modellbauerkreisen gern übernommenen angelsächsischen Bezeichnung "greenhouse" für gerahmte Cockpithauben hat sich der Glaube durchgesetzt, sie müssten auch wie ein Gewächshaus aussehen. Deutlich hervortretende Wülste mit  Fensterglas dazwischen.

Tatsächlich bestehen die Scheiben aus Kunststoff und überstehen tut meistens gar nichts. Wenn überhaupt, dann in Form eines dünnen Abdeckblechs von weniger als 1 mm Stärke (im Modell nicht mehr darstellbar).  Der eigentliche Rahmen lag/liegt innen. Schon in alten Zeiten achtete man auf eine möglichst widerstandsarme Zelle. Heutzutage steht absolut gar nichts mehr über.

 

 

Bausatzhaube

 

Echt: Glas versenkt

 

Echt: dünne, versenkte Abdeckung

Siehe hierzu einige Beispielbilder von Originalen.

Früher, als Bausätze noch nicht so ausgefeilt waren wie heute, war das Hauben-Bausatzteil mit einer feinen Gravur versehen. Da konnte man verdünnte Farbe hineinlaufen lassen und den Rest ausmalen. Ganz ohne Abdeck-Klebeband. War ungemein praktisch und das Ergebnis sah überzeugend aus. Heutzutage wird mit einer Menge von Ätz- und Zurüstteilen superdetailiert, aber die Cockpithaube wäre im Original mit überstehenden Zaunlatten versehen. - Warum das so ist, ist einfach erklärt: Modellbauer wollen es so und bemängeln andernfalls fehlende Detailierung. So die Antwort eines Herstellers auf die Frage, warum nicht anders.

Im Modell überstehende Rahmen zu entfernen, ist eine Frage von verschiedenen Graden Schleifpapier und Politurpaste. Wem das nicht gelingt bzw. zu aufwändig ist, sollte überlegen, ob Selbstziehen (s. nachstehend) nicht die einfachere und besser aussehende Methode sein könnte. Meine sind aus o.a. Gründen immer selbst gezogen (Prinzip s. unten).

Für die Cockpitrahmen versehe ich Abziehbildreste mit der passenden Farbe und trenne nach dem Trocknen Streifen in der benötigten Breite heraus. Befestigung wie üblich, zur Erhöhung der Klebekraft vorher durch verdünnten Holzleim gezogen. Mittels mit Weichmacher angefeuchtetem Wattestäbchen am Modell glattstreichen.



 

Cockpithauben selbst ziehen:

 

Wenn Sie irgendwo hören oder lesen, man müsse für die Form ein Holzklötzchen zurechtschnitzen und -schleifen, dann haben Sie entweder eine uralte Lektüre oder jemanden, der nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit ist. 

Für die Form nimmt man entweder "Fimo" (s. Seite F) oder Polyester.

Wenig praktikabel ist in jedem Fall, die Bausatzhaube als Form zu benutzen, weil man hier automatisch die Außenkontur als Innenkontur bekommt, die Haube also zu groß wird.

Cockpithauben oder sonst welche Teile selber zu ziehen, ist einfacher, als man denkt (Schwierig ist bei Bausatzhauben nur die Befestigung, aber davon anschließend).

So geht's:

  Benötigtes Formteil
  Überstand
  Standfuß
  Reißnagel mindestens 4
  PVC-Plastik
  Sperrholz o.ä.
  Loch etwas größer als Formquerschnitt
Von beiden Seiten gleichmäßig erwärmen (z.B. über Toaster).
Mit gleichmäßigem Druck über Form ziehen (Plastikseite unten!).
Warten bis Plastik fest ist, dann entlang der vorgezeichneten Linien ausschneiden.
Formteil entfernen.
  An Cockpit-Innenseite kleben
  In gefräste Rille kleben
  (Dimensionen leicht übertrieben)
 

Fehler / errors:

  • Plastik zu sehr erhitzt (zu weich) oder zu stark gezogen. Resultat ungleichmäßige Stärke.
  • Plastik zu wenig erhitzt und/oder zu stark gezogen. Ungleichmäßige Stärke.
   

Rumpf und Cockpithaube selbst gezogen.

Im Detail (in English see English page):

Form Alternative 1: "FIMO". Das ist eine Knetmasse, die unter Hitzeeinfluss (z.B. Bratröhre) hart wie Holz wird und sich schleifen und polieren lässt. Bekommt man in jedem Spielwarengeschäft.

Form Alternative 2: Man kauft sich im Baumarkt oder sonstwo Polyester-Autoreparaturspachtel. Kommt immer in Dosen, beigefügt ist eine Tube Härterpaste. Beides wird entsprechend Gebrauchsanweisung vermischt (wobei man nicht pingelig sein muss). Das Aushärten beginnt nach einigen Minuten, so dass man schon grob die Form zurecht schneiden kann. In die endgültige Form bringt man es nach dem völligen Aushärten mittels Schleifpapier und Politurpaste. Polyester hat gegenüber Fimo den Vorteil, dass sich Schichten nahtlos miteinander verbinden, ein Korrekturauftrag also problemlos ist. Damit die Form steht und man beim späteren Ziehen des Klarsichtmaterials genügend Platz hat, fügt man vorher ein Holzklötzchen oder was sonst brauchbar ist, ein.

Ist die Bausatzhaube genügend dünn, kann man das (den?)  Polyester auch innen hinein füllen (vorher etwas Fett o.ä. auftragen, um leichteres Ablösen zu gewährleisten). Damit erhält man eine brauchbare Grundform, die mit einem weiteren dünnen Auftrag von Polyester die korrekten Abmessungen erhält. Aus dünnem Abfallplastik (z.B. aus Quark- oder Joghurtbecher) entsprechend der Rumpfform ein Formteil zu verwenden, kann auch nicht schaden.

Die Form zu machen, ist eigentlich der einfachste Teil der Übung. Schwieriger ist schon, das richtige Klarsichtmaterial zu bekommen. Polystyrol funktioniert nicht, man muss PVC nehmen. Mitunter gibt es das im Baumarkt rollenweise, ein Streifen kostet also nicht viel. In Bastelgeschäften verkauft man auch sehr gute Transparentfolien. Wichtig ist die Stärke. Sie sollte ca. 0,3 - 0,5 mm betragen. Dünneres Material reißt leicht, dickeres ist schwierig zu verformen. 

Das Ziehen funktioniert am einfachsten, wenn man ein Stück PVC mit etwas Zugabe mit Reißnägeln auf einer Schablone befestigt, d.h. einem Stück Sperrholz oder anderem festen Material, in das eine Öffnung geschnitten wurde, die etwas größer als der horizontale Querschnitt der Form ist. Dieses Teil wird nun solange über einen Toaster (eingeschaltet) gehalten, bis das Klarsichtmaterial anfängt, zu glänzen und leicht durchzuhängen. Nun wird die Schablone links und rechts gefasst und mit festem gleichmäßigen Druck über die Form gezogen (weil das Teil ganz schön heiß ist, ziehe ich dafür immer Lederhandschuhe an). Einige Sekunden warten, Form entfernen und Überstand abschneiden.

Ich mache immer zuerst eine Probehaube und passe sie der Rumpfkontur an. Die sich ergebende Unterkante wird dann bei aufgesetzter Haube auf die Form übertragen. So weiß ich, falls etwas nicht ganz programmgemäß gelaufen ist, wo der Überstand abgetrennt werden muss.

Jetzt kommt der trickreiche Teil. Die Verbindung mit dem Rumpf. Wegen des dünnen Materials ist ja eine stumpfe Verklebung nicht möglich (Finger weg von Sekundenkleber, das Teil bekommt  milchige Ränder!). Die besten Erfahrungen habe ich mit entsprechenden Laschen bzw. Überständen gemacht. Das heißt, im Bereich der Windschutzscheibe eine Nut in den Rumpf fräsen (da hinein kommt ein entsprechender Überstand der Haube), im Cockpitbereich an der Haube Laschen stehen lassen, die mit den Rumpfseiten verklebt werden. In letzterem Fall genügt Uhu, im ersteren Fall verwende ich Epoxykleber. Eventuell noch etwas nachspachteln.

Hat das Original nach außen stehende Rahmen, wie z.B. die F-4, werden diese Teile gesondert gefertigt.

Um beim Verschleifen der abschließenden Spachtelstellen im vorderen Bereich nichts kaputt zu machen  wird die Haube entsprechend mit Tesafilm abgedeckt (was man beim Spritzen ohnehin muss). Ob man die Stellen, die später Rahmen darstellen sollen, vorher oder erst nach dem Einbau heraustrennt, ist Geschmackssache. Sie bereits auf die Form anzuzeichnen und nach dem Aufbringen des Tesafilms gleich heraus zu trennen, ist jedenfalls keine schlechte Idee.

Als Alternativen zur Befestigung wissen erfahrene Modellbauer:

a) Verdünnten Holzleim in die Spalte zwischen Haube und Rumpf laufen lassen.
b) Zweikomponenten- (Epoxy-) Kleber.

Erstere Lösung setzt allerdings perfekten Sitz voraus und das Teil sollte hinterher keinen allzu großen Belastungen ausgesetzt sein. Bei der zweiten sollte man den Leim nur sehr sparsam verwenden, denn er bleibt so, wie er ist, schrumpft also nicht. Vorheriges Abkleben der Haube ist anzuraten, unten einen schmalen Streifen frei zu lassen, der Leim aufnehmen kann, ist vorteilhaft.

Das alles hört sich recht kompliziert an. Ist es teilweise auch, weil man sich beim Einbau der Haube was einfallen lassen muss. Das Ergebnis aber lohnt immer.

P.S.: Auch bei mir klappt nicht immer alles auf Anhieb.