Modellbau-ABC von Wilfried Eck

 
  zurück zu Modellbau  

zurück zu 1. PMCN e.V.

 
 

A

B

C

D

E

F

G

H

I/J

K

L

M

N

O

P

Q

R

S

T

U

V

W

X/Y

Z

 

A

 

Abgasspuren

Abziehbilder

Alterung

Antennen


 

Abgasspuren:

click for larger pic.

In Modellbauerkreisen  D a s  Thema  schlechthin. Milliarden von Fragen und Ratschlägen, wie man das am besten macht.  Dabei ist es gar keine Frage des Wie, sondern des Warum (ob überhaupt).

Technisch handelt es sich um den Verbrennungsrückstand eines Otto- oder Dieselmotors bzw. einer Turbine. Die Farbe des Abgases ist dabei ausschließlich abhängig von der Motorkonstruktion sowie vom verwendeten Treibstoff und Schmieröl. Ob das Abgas aus einem Auto- oder einem Flugzeugauspuff austritt, spielt dabei naturgemäß keine Rolle.

Den Rußanteil in Dieselmotoren und Turbinen zu senken, bedarf ausgeklügelter konstruktiver Maßnahmen (insbesondere frühe Versionen der F-4 zogen gewaltige Rauchfahnen nach sich), aber selbst dann ist/war das Abgas nur dunkelgrau, Rußschwarz bedeutete in jedem Fall eine falsche Motoreinstellung.

Ottomotoren laufen, wie jeder Autofahrer weiß, rauchlos. Allenfalls beim Anlassen gibt es eine bläulichweiße Wolke. - Nicht anders bei einem Flugzeug! - Auch da ist im Normalfall gar nichts zu sehen, allenfalls bei Einspritzung  leistungssteigernder Mittel. 

Ob dennoch Abgasablagerungen zu sehen sind, hängt von einer Reihe von Faktoren ab:

a)

Lage und Form des Auspuffs

b)

Motor, Benzin- und Ölqualität

c)

Betriebsdauer insgesamt

d)

Farbe des Anstrichs

Das Abgas tritt mit enormem Druck aus und trifft auf einen Luftstrom der Orkanstärke weit übersteigt. Es wird also sofort verwirbelt und weggeblasen. Bei einem weit vorstehenden Auspuff  haben demnach Abgasteilchen im Normalfall keine Gelegenheit zur Anlagerung, Abgasspuren treten nicht auf.

Dass eng am Rumpf anliegende Auspuffrohre dennoch nicht zwangsläufig zu umfangreichen Abgasanlagerungen führen müssen, zeigt das Beispiel P-51 Mustang. Der Rolls Royce/Packard Merlin lief so sauber, dass Abgasspuren, so sie überhaupt zu sehen waren,  sich allenfalls als zartes Hellgrau manifestierten (s. oben). Bei anderen Motoren, Treib- und Schmierstoffen kann das Abgas dunkler und fettiger sein, maßgeblich ist hier der Einzelfall.

Auf jeden Fall aber bilden sich naturgemäß Abgasablagerungen nicht schlagartig, sondern erst nach einer gewissen Zeit. Immerhin können sich von diesen feinsten Teilchen nur diejenigen anlagern, die in Kontakt mit der Zelle kommen. Der größte Teil des Abgases streicht in einiger Entfernung vorbei.

Wie Abgasspuren tatsächlich entstehen und welchen Einfluss der Anstrich auf deren Sichtbarkeit hat, zeigt sich sehr schön an der A-1/AD- Skyraider. Bei dunkelblau gestrichenen Maschinen ist überwiegend Hellgrau zu sehen (vorne mit einem Stich ins Braune), während auf hellgrauen die Abgasstreifen eine dunkle Färbung zeigen. Am Motor kann es nicht liegen, er ist der Gleiche. Lösung: In beiden Fällen ist das Abgas gleichermaßen hell. Auf der dunklen Maschine sind diese Ablagerungen zu sehen, auf der hellen zunächst nicht. Durch Überlagerung mit weiteren Teilchen werden sie mit der Zeit dunkler, so dass sie auch bei der hellgrauen Maschine sichtbar werden. Kommen dann noch mehr dazu, entsteht ein komplexes Farbmuster, das von Dunkelgrau vorne ins Bräunliche und dann ins Hellgraue übergeht. Im Prinzip gilt das für jedes Flugzeug, die Farben variieren aber im Einzelfall. Deutsche WK II-Maschinen zeigten meistens dunkle  Grauschattierungen.

Braunes Abgas bei der F6F Hellcat

Entsprechend der Art der Entstehung sind Abgasspuren immer verlaufend (nach hinten zu schwächer werdend), wobei die Aerodynamik für die Form verantwortlich ist. Tritt das Abgas vor den Tragflächen aus, wird es nicht nur nach hinten geblasen, sondern vom Tragflächensog nach oben gekrümmt. Zusammen mit der Verdünnung durch den Luftstrom ergibt sich eine charakteristische Form, die einer gebogenen Kerzenflamme gleicht. Niemals (!) werden solche Spuren nach hinten zu breiter. Im Tragflächenbereich spielt die konstruktionsbedingte Aerodynamik natürlich ebenfalls eine Rolle, meistens aber ist ein Auffächern zu beobachten. 

Schematisch:

Fazit: Ob Abgasspuren zu sehen sind, welche Form und Farbe sie haben, ist von Typ zu Typ verschieden. Sogar die Anstrichfarbe spielt eine Rolle.

Für Abgasspuren von Bordwaffen gilt übrigens das Gleiche. Auch hier ist, wie jeder Rekrut bestätigen kann, das Abfeuern eines Schusses mitnichten vom Ausstoß einer schwarzen Rußwolke begleitet. Und auch hier ist der Rauch hell. Dunkle Ablagerungen können nur im Lauf der Zeit durch Überlagerung entstehen. 

Helle Rauchspuren, hier bei einer P-57 Thunderbolt:

(aus einem USAAF-Film)

 

Auch bei Bordwaffen wird der Rauch mit enormem Druck ausgestoßen. Er trifft hier allerdings durch die Eigengeschwindigkeit des Flugzeugs auf einen genau entgegengesetzten Luftstrom von etlichen hundert km/h. Im Ergebnis wie auf eine Wand. Die Rauchteilchen werden dadurch explosionsartig zur Seite gedrückt und nach hinten weggeblasen. Niemals kann hierdurch ein schmaler, scharf begrenzter schwarzer Strich entstehen. 

Schematisch:

1.

Schuss aus Bordwaffe
Schuss tritt aus bewegtem Flugzeug aus

2.

Umlenkung
Rauchteilchen kollidieren mit mehreren hundert km/h (Addition der Flugzeuggeschwindigkeit mit der Ausstoßgeschwindigkeit) mit stehenden Luftteilchen

3.

Verteilung
Rauchteilchen werden umgelenkt und zerstreut

 

Scharf begrenzte und/oder schmale Striche hinter Bordwaffen sind an keinem echten Flugzeug je zu sehen (gewesen). Man gucke sich Originalfotos auf solche Spuren hin an. 

so nicht

Für rumpfmontierte Bordwaffen gilt im Prinzip das Gleiche. Allerdings mit dem Unterschied, dass hier die Rauchgase an der Grenzschicht entlang nach hinten geblasen werden, also eher sichtbar werden. Besonders gut (was manche Modellbauer für den Regelfall halten), wenn sie zur Waffenjustierung im Stand abgefeuert werden. Aber auch hier gilt es, sich am jeweiligen Typ zu orientieren. - Oder hat schon jemand bei einer Me 109 kohlrabenschwarze Streifen bis hinter zur Windschutzscheibe gesehen?


Im Modell

Abgasspuren realistisch darzustellen, ist äußerst schwierig. Insbesondere die Farbverläufe lassen sich nicht spritzen (allenfalls mittels Schablone). Außerdem werden Abgasspuren am Rumpf nach hinten zu schmäler, nicht breiter. Sehr gute Erfahrungen habe ich mit Pastellkreiden gemacht. Verwendet wird aber keinesfalls nur Schwarz. Je nach Typ variierten Abgasspuren in verschiedenen Braun und Grautönen, von Dunkel nach Hell, die man direkt hintereinander auf das Modell aufträgt und dann mit einem Wattestäbchen verwischt. Man kann auch das Wattestäbchen einfärben und dann wischend auftragen . Fehlversuche lassen sich mit einem feuchtem Tuch abwischen. Einziger Nachteil: Bei Glanzfarben ist vorherige Mattierung der entsprechenden Stellen erforderlich. 

(Beispiel Modell A-1 H Skyraider)

Wer damit Probleme hat, darf Abgasspuren durchaus weglassen. Da sie erst im Lauf der Zeit entstanden und Mechaniker in ruhigeren Zeiten auch mal sauber machten (lt. Aussage eines ehemaligen Mechanikers mit Flugbenzin!), sind Flugzeuge ohne Rußfahnen durchaus realistisch.

 



 

Abziehbilder:

Früher und zutreffender: Schiebebilder.  Profunde Englischkenntnisse lassen sich beweisen, wenn man "Decals" dazu sagt. Das Ergebnis ist aber gleich: Besser vom Trägerpapier löslich, wenn man dem Einweichwasser etwas Essig und einen Tropfen Spülmittel hinzugibt. Da Abziehbilder auf Glanzlack vorzüglich haften, auf Mattlack - wegen der rauhen Oberfläche - aber ganz schlecht, bedeutet das, entweder den Anstrich hochglänzend auszuführen (Mattierung nachträglich) oder die Mattfarbe vorübergehend mit klarem Glanzlack zu versehen und nach dem gründlichen Trocknen der Abziehbilder auf den gewünschten Grad zu mattieren. Seidenmatt genügt in jedem Fall, da Ultramatt ohnehin nicht dem realen Standard entsprach.

Aus Resten (am besten schwarze) kann man noch sehr gute Rahmen für Cockpithauben machen. Mit der erwünschten Farbe übermalen, gut trocknen lassen und dann passende Streifen ausschneiden. Zieht man sie nach dem Ablösen durch verdünnten Holzleim, braucht man sich um die Haftung keine Sorgen zu machen.

Zum Auftragen von A. hat sich ein mit  Essig oder Weichmacher benetztes Wattenstäbchen bestens bewährt.

Empfehlenswert ist es in jedem Fall, sich vor dem Auftragen anhand von Unterlagen zu vergewissern, ob die Abziehbilder/Schiebebilder/Decals überhaupt dem Original entsprechen.  Seitenweise könnte ich aufzählen, was mir alles an Fehlern untergekommen ist. Wobei ich gar nicht von zu blauen US-Hohheitsabzeichen rede, sondern von massiven Fehlern, wie z.B. dass es für die betreffenden Abzeichen gar keinen passenden Bausatz gibt (frühere oder spätere Version erforderlich), verschiedene Seriennummern für das gleiche Flugzeug, fiktive Aufschriften, und so fort). 

Auch hier gilt: Eigene Recherche über das Aussehen des Originals ist durch nichts zu ersetzen.

 



 

 

Alterung:
   

Im Modellbau in erster Linie keine Frage des "Wie", sondern des "Warum?" (und des Könnens).  "Die üblichen Alterungsspuren" (vgl. Modellbaumagazine) gibt es nicht. Ein alter Eskimo sieht anders aus als ein fünfmal gelifteter Hollywoodstar.

Alterungsspuren sind Gebrauchsspuren. Vor langer Zeit als Modelldekoration erstmals in der Modellbauseite von "AIR International" empfohlen.  Der Autor setzte aber gleich hinzu "Don't overdo it!" - Ersteres wurde sofort begeistert umgesetzt, Letzteres scheint in Vergessenheit geraten zu sein.

Gebrauchsspuren entstehen durch Gebrauch, nicht von selbst. Und sie entstehen nur dort, wo etwas gebraucht wurde. Ob der Gebrauch überhaupt Spuren hinterlässt, ist eine weitere Frage. In jedem Fall entstehen sie nicht sofort, sondern erst im Laufe der Zeit.

Flugzeuge werden von Mechanikern gewartet, die allen Ehrgeiz daran setzen, "ihre" Maschine tiptop zu übergeben. Zwar kann in Zeiten hoher Beanspruchung das Äußere etwas leiden, ein rostiges Ruderscharnier aber ist undenkbar. Kein Pilot würde eine solch  lebensgefährliche Maschine besteigen.

Natürlich fand/findet sich überall irgendwo in einer Ecke eine alte Schrottmühle, aber ist das repräsentativ für alle...? - Kein Mensch würde ernsthaft annehmen, alle Hamburger seien Krabbenfischer oder alle Bayern trügen Lederhosen. Im Modellbau aber, so scheint es,  sind Gemeinplätze recht beliebt  (Stichwort "schlechte" japanische Lacke).

Ein weiterer Punkt, der m.E. oft übersehen wird, ist die Lebensdauer einer Maschine. Umfangreiche Gebrauchs- und Alterungsspuren können erst nach längerer Zeit entstehen. Abgesehen von einzelnen Veteranen, die einfach nur Glück hatten oder weitab der Front Dienst taten, war Wechsel die Regel, nicht die Ausnahme: Bruch durch Unfall, neue Variante, Abschusserfolg des Gegners. 1945 betrug die Lebensdauer einer Me 109 oder FW 190 mitunter nur noch Tage. Da blieb keine Zeit zum "Altern." Und um gleich noch auf ein Modellbauermärchen einzugehen: Eher flogen deutsche nur grundiert, als ohne Grundierung (verlässliche Aussage eines Mechanikers, der auch nichts von blanken Vorderkanten weiß).

Zu den gängigen "Alterungen" im Einzelnen:

Lackschäden/blanke Stellen:

Ein silberner Fleck von 1 Millimeter an der Vorderkante eines 1/72 Modells entspricht im Original nahezu Handtellergröße. Ist also ein nicht unbeträchtlicher Lackschaden. Die Frage ist demnach, wie er entstanden sein kann.

Schuhe von Mechanikern und Piloten schmirgeln/kratzen. Nach einiger Zeit kommt die Grundierung zum Vorschein, nach weiterer Zeit des Blech. Es dauert also, bis sich die einzelnen Kratzer durchgearbeitet und so verbunden haben, dass eine deutlich sichtbare blanke Stelle zum Vorschein kommt.  Wie lange, hängt von der Häufigkeit der Benutzung der Maschine und dem Untergrund ab. Dreck bleibt bei Gras- oder Erde leichter an den Schuhsohlen haften, als bei Beton. Kratzspuren haben naturgemäß unregelmäßig verlaufende Konturen, denn erst eine Ansammlung lässt eine flächige blanke Stelle entstehen. Wobei sich die Frage erhebt,  ob die Maschine so lange existiert, bis die Schuhe endlich das Blech aufgekratzt haben. Gänzlich unwahrscheinlich wäre es aber, wenn die Schuhe von Mechanikern und/oder Piloten die Vorder-Kanten von Tragflächen oder Leitwerk aufgekratzt hätten.

Abnutzungsspuren entstehen nur dort, wo etwas abgenutzt wird. Trittspuren also vorzugsweise dort, wo Piloten und/oder Mechaniker sich häufig aufhalten (Tragflächen-Rumpfübergang, Tankeinfüllstutzen), sonstige eben dort, wo häufig etwas gemacht wird. Wo aber niemand etwas macht und auch sonst keine mechanische Einwirkung denkbar ist, gibt es keine derartigen Spuren. Um jeden Rand eines Bleches am hinteren Rumpf einen silbernen Rand zu malen oder wahllos über die Tragflächen verteilt , mag eine nette Freizeitbeschäftigung sein, mit der Realität hat das aber nichts zu tun.

Sand schmirgelt auch. Besonders an den Vorderkanten. Auch hier allmählich, mit verlaufenden Konturen. - Aber gibt es auf einem Flugzeugträger Sand...? - Es kommt also wohl doch eher auf das Einsatzgebiet des jeweiligen Typs an. Und die Zeit, die er dort verbrachte.

Staub schmirgelt ebenfalls. Zwar deutlich weniger als Schuhe oder Sand, aber dennoch. Spuren sind also entweder erst nach sehr sehr langer Zeit  oder bei älteren Mustern nach Geschwindigkeiten jenseits von Mach 1 sichtbar. Mit verlaufenden Konturen.

Bliebe noch der schlechte Lack. Der, glaubt man manchen Modellbauern, bei japanischen Flugzeugen allein durch den bloßen Luftzug davongeblasen wurde. Falls er nicht von selbst abfiel. - Das ist natürlich ein Modellbauermärchen. Japanische Lacke waren, wie aus Lackresten von aufgefundenen Wracks ersichtlich, keinesfalls schlechter. Und waren zumindest bei Flugzeugen der Marineluftwaffe im Normalfall werksseitig über einer Grundierung aufgetragen.  Die andere Erklärung für blanke Stellen, per Hand unvollständig aufgetragene Tarnung, fällt nicht in die Kategorie "Alterung".

 Zur "Alterung" von japanischen Flugzeugen allgemein siehe Seite J.

Nachdem Abnutzungserscheinungen (so sie überhaupt denkbar waren) nur im Laufe der Zeit auftreten konnten und infolge allmählicher Abtragung  verlaufende Konturen aufwiesen, bleibt als Erklärung für eine blanke Stelle mit scharf abgegrenzten Rändern nur Gewalteinwirkung.

Die Kollision mit einem harten Gegenstand verursacht zumindest eine Delle. Ob dazu der Lack abplatzt, kommt auf die Tiefe der Verformung und die Lackqualität an. Ist aber tatsächlich der Lack abgeplatzt, muss es eine deutliche Gewalteinwirkung vorgelegen haben, die sich auch in einer mechanischen  Verformung manifestiert. Kommt gelegentlich vor. Sei es beim Einparken, sei es durch unachtsames Umgehen mit Gerät. Dann aber sollte im Modell außer dem silbernen Flecken auch die dazu gehörende Delle sichtbar sein. Solche Beschädigungen über alle Vorderkanten verteilt, hieße aber, das Original müsste in eine Schotterwolke geraten sein. - Eigentlich auch auf vorgeschobenen Flugplätzen unüblich. Und auf Flugzeugträgern allemal.

Eine Maschine auf einem Pazifikatoll unterliegt anderen Umwelteinflüssen, als eine in Alaska. Verallgemeinerung ist hier wie sonst auch, in jedem Fall von Übel.

Maschinen, die auf Flugzeugträgern eingesetzt wurden/werden, unterliegen keinen Abnutzungserscheinungen durch Sand etc. und erfahren im Übrigen eine regelmäßige Kontrolle auf Korrosion. Jede blanke Stelle wurde/wird sofort übermalt/überspritzt (daher das fleckige Aussehen von F-14, F/A-18 etc.). Wer hier Silberfarbe verwendet, beweist vielleicht sein Können als Maler, aber nicht seine Sachkenntnis.

Im Modell sollte man aus den genannten Gründen mit solchen Spuren äußerst sparsam umgehen. Selbst wenn sie vorhanden waren, sind sie maßstäblich kaum noch darstellbar (in 1/72 bewegt man sich da in Bereichen von 1/50 - 1/100 mm!). Wenn es denn sein muss (allenfalls ab 1/48 aufwärts): Entsprechende Stelle mit einer Mischung aus Grau und Silber lackieren und gut trocknen lassen. Normalen Anstrich aufbringen, gut trocknen lassen. Nun mit feinem Schleifpapier an den entsprechenden Stellen die Art der Beanspruchung nachahmen. Gute Erfahrungen habe ich auch mit einem alten, im Normalfall unbrauchbaren Filzstift gemacht.

Verschmutzung:

Zu unterscheiden ist zwischen technik- und witterungsbedingter Verschmutzung. Bei Kolbenmotoren sind Spuren von Motoröl hinter der Verkleidung üblich, am deutlichsten an der Unterseite. Bei Düsenmotoren ist es meist Hydrauliköl. Da muss man im Modell nicht kleinlich sein (Allerdings niemals mit schwarzer Farbe. Motoröl ist dunkelbraun, Hydrauliköl honigfarben, blau oder rot, alle glänzend).

Abgasspuren treten erst im Laufe der Zeit durch Überlagerung auf (s. "Abgasspuren").

Witterungsbedingte Verschmutzung kann auftreten, ist aber, wie man an seinem eigenen Pkw nachprüfen kann, allenfalls ein Schleier, vielleicht auch etwas streifig, niemals aber eine dunkle Verfärbung um jeden Blechstoß herum.

Ausbleichen, also Hellerwerden des Anstrichs, ist bei längerem Aufenthalt in starkem Sonnenlicht üblich. Allerdings altern verschiedene Farben verschieden. Das grüne "Olive Drab" der US Army Air Force tendierte zu Braun, das "Sea Blue" der Navy nicht etwa zu Hellblau, sondern wegen des hohen Schwarzanteils zu (blaustichigem) Grau. Ebenso das US-Hohheitsabzeichen, das meistens viel zu blau dargestellt wird, es ist in Wirklichkeit fast schwarz. Das "Insignia White" der Unterseiten war übrigens reinweiß ("Off white" ist eine Modellbauererfindung), das nur durch Öl- und andere Spuren verschmutzt werden konnte. Jede Farbe hatte so ihr eigenes Alterungsspektrum, das von der Mischung der Farbe bestimmt war. Aufhellen muss man mit einer verwandten Farbe, also bei Grün, Braun und Rot mit Gelb, weil dieser Farbton in jeder vorkommt.


 

Im Modell: 

Ölspuren oder Flecken von übergelaufenem Benzin: Entsprechende Stelle mit Verdünnung einstreichen. Verdünnte Farbe zuerst in Flugrichtung wischen, dann mit einem sauberen Pinsel, der etwas Verdünnung enthält, zum Ursprungsort zurückwischen, evtl. wiederholen. Die Farbe muss in beiden Fällen glänzend (!) sein, bei Benzinrückständen sehr stark verdünnt. Das gleiche Verfahren kann man auch für ausgebleichte Farbe verwenden. Dass die Untergrundfarbe völlig durchgetrocknet sein muss, versteht sich von selbst.

Fleckige Farbe wird ebenso imitiert.

Beispiel s. Modell F4U-1A Corsair

Lackschäden: Entsprechende Stelle/n mit einer Mischung aus Grau und Silber spritzen und gut trocknen lassen. Dann den normalen Anstrich auftragen. Ist auch dieser vollkommen durchgetrocknet, mit Schleifpapier an der gewünschten Stelle so lange in Richtung der originalen Beanspruchung schaben, bis der beabsichtigte Effekt sichtbar wird. Ein alter silberner Filzstift mit schon eingetrockneter Farbe zeigte auch recht ansprechende Ergebnisse, wie man am Beispiel der Corsair sehen kann (Übergang Tragfläche-Rumpf). Hier allerdings muss man genau hinsehen, da die echten Corsairs eben erst ausgeliefert worden waren und dem zufolge nur geringe Abnutzungsspuren zeigten.

 



 

Antennen:

Man unterscheidet Blatt-, Draht-, Peitschen-, und versenkte Antennen. Mit Ausnahme von letzterer haben im Modell alle die Eigenschaft, leicht abzubrechen. Zumindest, wenn sie nicht aus flexiblem Material sind.

Blattantennen mache ich aus PVC, z.B. ein Stückchen aus einer Einlage für Hemdkrägen, auf entsprechendes Profil geschliffen. Diese Antenne wird in einem an der entsprechenden Stelle geschnittenen Schlitz geklebt (ich nehme dazu "Plastikpaste", s. Seite P) , die Ränder evtl. etwas nachgespachtelt.

Drahtantennen: Vergessen Sie dünn gezogene Fäden aus einem Gießast! Falls es überhaupt gelingt, sie zu befestigen, brechen Sie nach einiger Zeit fast von allein. Selbst wenn Sie haltbarer wären, würden sie das gelegentlich erforderliche Abstauben nicht überleben. Bestens bewährt hat sich ein Faden aus einer Strumpfhose (muss nicht unbedingt selbst getragen worden sein). Für kleinere Maßstäbe kann man ihn auch aufdröseln und teilen. Der Faden wird dabei keineswegs straff wie eine Geigensaite gespannt, sondern nur soviel, dass er sich nicht mehr kringelt. Für die getrennte Ableitung in den Rumpf, wie sie damals häufig zu sehen war, wird der Faden halbiert (damit er zusammengelegt die gleiche Stärke ergibt), über die Antenne gelegt und beide Enden in entsprechender Länge mit Sekundenkleber an dünnes Plastikpflöckchen geklebt.  Dieses wird nun mit etwas Kleber versehen  in das im Rumpf vorgebohrte Loch gesteckt. Wo die Ableitung auf der Antenne aufliegt, wird mit einem winzigen (!) Tröpfchen Sekundenkleber fixiert. Wenn alles fertig ist, sollte die Antenne einen leichten Knick nach unten zeigen und auf Berührung etwas nachgeben.

Beispiel Antennen S-2E Tracker-Antennen

Für Peitschenantennen nimmt man am besten ein Besenhaar. In Plastikpaste (s. Seite P) getaucht und in ein vorgebohrtes Loch gesteckt.

Zum "Drahtverhau" deutscher Nachtjäger: Die senkrechten Dipole waren mit Schellen außen an den Trägern befestigt. Die abgestufte Stärke jedes Dipols kann man in größeren Maßstäben durch dünn gezogenes Plastikrohr, über Drahtstücke entsprechender Länge geschoben, nachbilden. Die Befestigung verlangt aber in jedem Fall viel Geduld. Für kleinere Maßstäbe kommt nur Draht und ein Lötkolben mit feiner Spitze in Frage. Wer das kann, darf sich Meister nennen.