Modellbau-ABC von Wilfried Eck

 
 
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I/J

(Japan 1941-1945)

 

Einsatz

Grundzüge Lackierung

Kamikaze

Vermischtes


 

 

Einsatz:

Japan hielt Mitte 1942 ganz Südostasien und die Philippinen und stand nördlich von Australien, dem nächsten Angriffsziel. Japans Flugzeuge konnten allerdings nach dem Verlust von vier Trägern  bei Midway im Wesentlichen nur noch von Landbasen aus operieren.  Ein strategischer Nachteil, der 1943 bei den Kämpfen um Guadalcanal klar zu Tage trat. Nach dem Fall dieser strategisch wichtigen Salomoneninsel und den nicht unwesentlichen Verlusten an Mensch und Material befand sich Japan nurmehr in der Defensive. Der Gegenoffensivplan von General MacArthur, Oberbefehlshaber des Heeres, sah ein Vorgehen nördlich von Australien über Neuguinea in Richtung Philippinen vor und von da aus nach Japan, während Marineoberbefehlshaber Admiral Nimitz quer durch den Pazifik direkt auf die Philippinen zusteuern wollte (von da aus gemeinsame Operation mit dem Heer). Da jeder dieser Pläne seine Vorteile hatte, entschloss sich der Generalstab zu einer Art Zangenbewegung beider Teilstreitkräfte. Hierzu musste man beileibe nicht Insel für Insel nehmen. Es genügte, wenn die nächste außerhalb der Reichweite japanischer Flugzeuge lag. Die übersprungene/n wurden, vom Nachschub abgeschnitten, sich selbst überlassen. Im Zentralpazifik (Nimitz) schlugen die schnellen Trägerkampfgruppen mal hier, mal da zu. Die scheinbare Planlosigkeit führte dazu, dass Japan nirgends starke Verteidigungskräfte massieren konnte und so nicht nur Stellung um Stellung verlor, sondern auch unersetzliches Personal. Erst im Herbst 1944 bei den Philippinen war das nächste Angriffsziel klar. Der materiellen und personellen Überlegenheit der Amerikaner konnte Japan aber weder hier noch Mitte 1945 bei Okinawa außer Opfermut der Soldaten nichts Entscheidendes entgegensetzen.

Einen nicht unwesentlichen Anteil an der Niederlage hatte auch der japanische Stab, dessen unrealistische oder vermeintlich raffinierte Planung - z.B. der Verteidigung der Marianen - der Realität nicht standhielten.

Was die oftmals zitierte fanatische Kampfweise der Japaner anbelangt ("Banzai-Angriffe"), liegt dem ein westliches Missverständnis zugrunde. Ein im Sinne der Haager Landkriegsordnung kämpfender Soldat konnte, wenn er die Aussichtslosigkeit der Lage sah, sich ergeben und hatte dann Anspruch auf Leben und menschenwürdige Behandlung. Ganz anders in Japan. Ein japanischer Soldat sah sich als moderner Samurai. Für einen Samurai war es durchaus ehrenhaft, im Kampf zu fallen, aber eine Schande und damit unehrenhaft, sich zu ergeben. Sieg oder Tod lautete die Devise. Die zweite Komponente, Flucht, schied aufgrund der örtlichen Gegebenheiten meist aus. Auf einer Insel kann man nicht fliehen. - Demnach blieb nur der Kampf, auch wenn er aussichtslos war. Einem japanischen Soldaten war das Leben genauso lieb wie seinem westlichen Gegner, nur hatte der andere Alternativen und eine andere Erziehung.

s. hierzu auch "Kamikaze".



 

Lackierung:

Anstriche japanischer Flugzeuge komplett zu beschreiben, würde ein dickes Buch füllen. Das Grundproblem, so scheint es, ist aber nicht, welcher Grünton der einzig Richtige ist (da streiten sich auch die Experten), sondern die mangelnde Kenntnis der grundlegenden Unterschiede zwischen Flugzeugen der Heeres- und der Marineluftwaffe (zwei sich nahezu feindlich gegenüber stehende Waffengattungen). Im Prinzip lassen sich diese beiden Waffengattungen wie folgt unterscheiden:

Heeresflugzeuge

Einsatz in China, Neuguinea und Südostasien

Jäger oftmals im Feld per Hand getarnt

Marineflugzeuge

Nach Trägereinsatz auf Inseln im mittleren Pazifik

Ab Werk über Grundierung lackiert

Ki 43 20. Hiko 25. Sentai

 

Mitsubishi Zero

Nakajima Ki 43 II, Zeichnung: Srecko Bradic

 

Mitsubishi A6M5c, Zeichnung: Srecko Bradic

Marine: Naturgemäß waren mit Ausnahme von mehrmotorigen Bombern Flugzeuge der Marineluftwaffe auf den Einsatz von Flugzeugträgern hin konzipiert. Diese mussten gegen Korrosion durch Salzwasser besonders geschützt werden. Zunächst erhielten die A5M ("Claude") zusätzlich zu ihrem Aluminium-Überzug ("Alclad") einen Anstrich aus Klarlack (der sich im Lauf der Zeit ins Bräunliche verfärbte). Da dies noch keine optimale Lösung darstellte, wurden A6M ("Zero") werksseitig mit einer (braunen) Grundierung und einem hellgrauen, ins grünliche tendierenden Anstrich versehen (Motorhaube schwarz). Aichi und Nakajima verwendeten sowohl Hellgrau über alles als auch grüne Oberseiten. Die am Anfang des Krieges sichtbaren farbigen Streifen am hinteren Rumpf und/oder Seitenleitwerk waren reine Formations- und nicht persönliche Kennzeichen.

Heer: Jäger des Heeres wurden bis weit in das Jahr 1944 in Naturmetall ausgeliefert. Da aber die alliierten Luftangriffe sehr schnell die Notwendigkeit einer Tarnung aufgezeigt hatten, behalf man sich vor Ort mit Improvisation. War ein Flugplatz von Palmen umgeben, lag es nahe, die Maschinen entsprechend anzupassen, die Kontur des Flugzeugs "aufzuweichen", sie dem jeweiligen Licht- und Schattenspiel  anzugleichen. Ergo nahm man zum Beispiel in grüne Farbe getauchte Palmwedel und klatschte diese auf alle Oberseiten. Oder etwas anderes. Übriggebliebene blanke Stellen waren also keine Lackschäden, sondern sehr wohl beabsichtigt bzw. durch das Verfahren bedingt. Bei Bombern fand sich sehr häufig ein dem Marineanstrich ähnliches werkseitiges Graugrün. Auch hier in der Regel über einer Grundierung.

Auch ohne genaue Typenkenntnis kann man Marine- und Heeresflugzeuge meistens leicht auseinander halten. Findet sich am Seitenleitwerk ein farbiges, meist recht kunstvoll ausgeführtes Symbol, war es eine Maschine des Heeres, während Marinemaschinen nur die Einheitskennung aus Ziffern, mitunter mit davor gestelltem Buchstaben, führten.


Als auch Marineflugzeuge gezwungen waren, von Landbasen aus zu operieren, war man aufgrund der ständigen alliierten Angriffe auch hier zur Tarnung gezwungen. Die dunkelgrüne Farbe wurde nachträglich per Hand (aber auch per Spritzpistole) über dem ursprünglichen Hellgrau aufgetragen. Beispiel: Nachstehendes Foto einer A6M3.

A6M3

Genau betrachtet, beweist dieses Foto also nicht,  wie oftmals geglaubt wird,  Lackschäden, sondern das Gegenteil. Zu sehen ist ein ca. Mitte/Herbst 1943 (passt zeitlich zu A6M3) manuell  über dem ursprünglichen Hellgrau aufgetragener grüner Anstrich. Dafür spricht die fast unversehrte Motorhaube - nur an den Halterungen kleine Abnutzungsspuren) und die weiterhin hellgrauen Kanzelstreben. Im Übrigen wäre nicht nachvollziehbar, weshalb ausgerechnet unmittelbar hinter der Motorhaube die meisten Kratzer/Farbabplatzer sein sollen, hinter dem Hinomaru aber so gut wie gar keine. Insbesondere die wellige Linie am unteren Kanzelrahmen spricht für einen unvollständigen nachträglichen Farbauftrag.

Spätestens ab Herbst 1943 wurde dann aber die Oberseitentarnung ausnahmslos ab Werk (!) über dem Hellgrau (insgesamt drei Lackschichten!) aufgebracht. Später verzichtete man auf die vorherige Komplettlackierung in Hellgrau und brachte das Grün gleich auf die Grundierung auf. Die gegen Kriegsende vereinzelt auftauchenden Maschinen mit blanken Unterseiten spiegelten weniger ein neues Farbschema, sondern allenfalls Hast und/oder Farbmangel wieder.

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Beispiel für eine Ki-44 des Heeres:

Ki-44

Es sieht so aus, aber es handelt sich hier keineswegs um umfangreiche Lackschäden!

Helle Stellen sind nur am Rumpf, ab Cockpit bis hin zum Seitenruder. Am Seiten- und Höhenleitleitwerk sowie ab Windschutzscheibe nach vorne und auf den Tragflächen ist die Farbe noch vollständig erhalten. Dass die Farbe nur am hinteren Rumpf lückenhaft ist (zum Seitenleitwerk schön abgegrenzt), ergäbe nur dann einen logischen Sinn, wenn zweierlei Farben - eine gute und eine schlechte - verwendet worden wären. Was auch nicht gerade nahe liegt. Die andere Erklärung, am hinteren Rumpf sei die Beanspruchung eben höher gewesen, vermag auch nicht besonders zu überzeugen. Was sollte insbesondere zum Rumpfrücken zu da geschabt haben? - Falls dennoch Zweifel bestehen: Warum ist der Lack des "hinomaru" einwandfrei?

Ergo: Wie üblich,  manuell aufgetragene Farbe. Am Rumpf, um die Konturen der Maschine etwas "aufzuweichen" lückenhaft.

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Zusammenfassend und etwas verallgemeinert: 

Japanische Farben zu erforschen, wird durch die fehlenden bzw. verloren gegangenen Unterlagen erschwert. Die pauschale Behauptung,  japanische Lacke seien von schlechter Qualität gewesen, ist jedoch durch nichts bewiesen. Das Gegenteil ist richtig. Japanische Lacke waren, wie aus Fotos und aufgefundenen Wracks ersichtlich, äußerst widerstandsfähig. Vereinzelte, von den Amerikanern am Flugplatzrand aufgefundene und fotografierte Schrottmaschinen sollten nicht als repräsentativ angesehen werden.

Marineflugzeuge (Bezeichnung: Buchstabe/Ziffer/Buchstabe, z.B. A6M) hatten aufgrund ihrer werkseitigen Grundierung und eines sehr widerstandsfähigen Lacks in der Regel einen kompletten Anstrich ohne größere Lackschäden.  Mit Sicherheit waren keine blanken Stellen zu sehen, solange sie auf einem Träger stationiert waren. Soweit neben dem dunkelgrünen Anstrich helle Flecken zu sehen sind, handelt es sich um eine nachträglich manuell aufgetragene Tarnung.

Heeresflugzeuge (Bezeichnung: "Ki"+Ziffer, z.B. Ki-44), die vor Ort getarnt wurden, hatten oftmals einen absichtlich unregelmäßigen, lückenhaften Anstrich, der auch anfälliger für Abrieb war. Aber auch hier ist jede Übertreibung im Modell von Übel.

Der Grund dafür, dass umfangreiche Lackschäden als typisch für japanische Flugzeuge angesehen wird, dürfte darin liegen, dass manuell vor Ort unvollständig aufgetragene Farbe als Lackschaden missverstanden wird. "Profiles" übertreiben hier, um dem Modellbauerglauben gerecht zu werden. Das wirkliche Aussehen entnimmt man Fotos.

Es ist also kein unentschuldbarer Kunstfehler, ein Marineflugzeug in makellosem Finish zu zeigen. Im Übrigen sollte man nicht vergessen, dass mit fortschreitender Kriegsdauer die Verluste exponentiell anstiegen, die Maschinen also schneller abgeschossen wurden, als sie Gebrauchs- und Alterungsspuren ansetzen konnten.

Natürlich gab und gibt es immer und überall Ausnahmen (z.B. bei einigen Flugbooten, wo ohne Grundierung lackiert worden war und deshalb Lackschäden auftreten konnten). Sie sollten aber nicht verallgemeinert werden.

Empfehlenswert zu Farben allgemein:

http://www.j-aircraft.com/research/colormix.htm

Empfehlenswert zu Lack/Qualität: http://www.j-aircraft.com/research/weathering_question.htm
Farben: http://members.aol.com/reishikisenguy/accolors.htm
Early A6M2 colours http://modelingmadness.com/earlya6mcolors.htm

 



     
  Kamikaze:  
     
Ki 84 special attack unit
Propagandafoto Kamikazepiloten

A6M5 201 wing

Ki-84 der "57. Spezialangriffseinheit" (Heer), Chiran 1945

 

A6M5 des Geschwaders 201 (Marine), Mabalacat 25.10.44

Zeichnung: Srecko Bradic

 

Zeichnung: Srecko Bradic


 
 "Kamikaze" (Götterwind) war in Japan ein allgemeiner Ausdruck  für die göttliche Errettung Japans (zurückgehend auf zwei durch Stürme verhinderte Invasionsversuche der Mongolen im 13. Jahrhundert). Für Selbstopfereinsätze wurde dieser Begriff in Japan nicht verwendet. Sie wurden "Tokko Tai" oder "Shimpu" (Spezialangriff) genannt.
 
Es keinen Befehl des Tenno zum Selbstopfereinsatz. Das japanische Staatsoberhaupt, der Tenno, hatte, obwohl im Westen so bezeichnet, keineswegs die Stellung oder gar die Macht eines Kaisers. Als Abkömmling der Sonnengöttin Amaterasu  angesehen, genoss er göttlichen Status. Er war spirituelles Oberhaupt Japans und Repräsentationsfigur. Sich an der Politik zu beteiligen,  war unter seiner Würde.
 
Der Gedanke, die drohende Niederlage durch Einsatz des eigenen Lebens zu retten, kam ursprünglich aus der Truppe selbst. Aus der Erkenntnis, gegen die quantitative und qualitative Übermacht des Gegners  mit konventionellern Mitteln nichts mehr ausrichten zu können. Dem unausweichlichen Tod einen Sinn zu geben. 
 
Im weiteren Verlauf konnte die Beteiligung verschiedene Ursachen haben:

 

  • Überzeugung, nur noch so die Schmach einer Niederlage abwenden zu können.
  • Patriotische Begeisterung (vorwiegend Studenten und Mittelschüler).
  • Unentschlossene, die sich der Mehrheitsmeinung anschlossen.
  • Ablehnende, die aber nicht als Feigling geächtet werden wollten.
  • Psychologischer Druck.
  • Befehl.

Näheres hierzu auf Seite K



 

Vermischtes:

1.

Einheiten des japanischen Heeres waren organisatorisch und faktisch streng von Einheiten der Marine getrennt. In der Praxis herrschte ausgesprochene Rivalität.  Die Operationsgebiete von Heer und Marine unterschieden sich deshalb grundlegend  (Heer Neuguinea und Umfeld, Marine Zentralpazifik).

   
2. Das eigene Territorium wurde bestimmt durch die Flugzeugreichweite. Verfügte ein japanischer Stützpunkt über keine, konnte sie, da von ihr keine Gefahr ausging, übersprungen werden ("Inselspringen").
   

3.

Der allgemeine Kriegsverlauf war dem der deutschen Wehrmacht vergleichbar: Auf Blitzsiege folgte ein Abnutzungskrieg, dem Japan personell und materiell nicht gewachsen war. Die Schlacht um Midway ist dabei dem Halt vor Moskau, die Schlachten um Guadalcanal Stalingrad vergleichbar. 

Auf dem Gebiet der Heeresstreitkräfte gab es keine so spektakuläre Schlacht. Hier herrschte auf amerikanischer Seite mühsames Vorwärtskämpfen vor, wobei die klimatischen Verhältnisse den Soldaten mitunter mehr zu schaffen machten, als der Gegner.

   
4. Als ab Mite 1944 weite Teile des Pazifiks in amerikanischer Hand waren, waren japanische Rest-Einheiten im Südpazifik vom Nachschub - und damit auch von Lebensmitteln - abgeschnitten.  Fälle von Kannibalismus sind nach dem Krieg bekannt geworden.
   
5. Abschüsse auf japanischer Seite wurden nicht dem jeweiligen Piloten, sondern der Einheit zugerechnet. Da es kein Verfahren zur Anerkennung eines Abschusses gab (das Wort des Piloten genügte), sind alle diesbezüglichen Zahlen Näherungswerte.  
   

6.

Ab Herbst 1943 stiegen die japanischen Verluste exponentiell an. Zwar konnte der Verlust an Gerät teilweise kompensiert werden, die Ausbildung der Piloten aber musste kontinuierlich verkürzt werden, um den notwendigen Ersatz zu erhalten. Dem entsprechend stieg die Verlustrate aufgrund mangelnder Einsatzreife nochmals.

   
7. Bis weit in das Jahr 1942 hinein flogen die kompromisslos auf Angriff gedrillten japanischen Piloten ohne Fallschirm (nach dem Selbstverständnis der Piloten unnötig und behindernd). Erst aufgrund steigender Verluste und obrigkeitlichem Nachdruck fand er allgemeine Verwendung.
   
8. Japanische Flaggen auf dem Oberarm wurden erst 1945 eingeführt, als japanische Zivilisten einen am Fallschirm gelandeten Piloten als vermeintlichen Amerikaner erschlagen hatten.
   
9. Neben der Beschussanfälligkeit waren ein weiteres Manko der A6M Zero ihre Steuerkräfte, die linear mit der Geschwindigkeit anstiegen (so mancher Kamikaze, der senkrecht ins Wasser stürzte, war nicht etwa abgeschossen worden, sondern vom Piloten nicht mehr steuerbar). Saburo Sakai hatte deshalb eine Verlängerung des Steuerknüppels eingebaut; nach seiner Aussage bis ca. Brusthöhe.

Zu diesem Thema sehr empfehlenswert:  http://www.j-aircraft.com/index.htm