Modellbau-ABC von Wilfried Eck

 
 
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  Deck-Eigenbau Detailierung  Details Diorama  

Deck (Eigenbau für Flugzeugträger-Modelle):

Hat eine F6F Hellcat, eine F4U Corsair, etc. eine geometrische Markierung am Seitenleitwerk, handelt es sich um eine Maschine, die ausschließlich auf einem Flugzeugträger eingesetzt war und niemals von Landbasen aus flog.  Für ein realistisches Display ist also ein Teilstück eines Trägerdecks erforderlich.

Abzuraten ist von Flugdeckdarstellungen aus dem Verlinden-Sortiment, da braunes Holz gezeigt wird, Decks aber mit Tarnfarbe versehen waren (die Holzbalken waren im Übrigen aus Kostengründen auch nicht aus Magagoni).

Selbermachen ist gar nicht so schwer. Wie es geht, zeige ich auf der gesonderten Seite "Deck-Eigenbau".


 

Detailierung:

Der Modellbauer versteht hierunter die Betonung von Blechstößen durch dunkle Farbe.

Der Hersteller orientiert sich üblicherweise an einem Plan. Das muss keine Blaupause aus dem Werk sein, jede plausibel erscheinende Zeichnung tut es auch. Der Zeichner wiederum setzt allen Ehrgeiz daran, sein Werk möglichst detailiert erscheinen zu lassen. Also malt er z.B. am hinteren Rumpf einer F6F Hellcat oder einer Bf-/Me 109 senkrechte Striche, um die verschiedenen Blechlagen darzustellen. Der Graveur des Bausatzherstellers setzt dies wiederum in entsprechende Rillen um, um das Modell dem Plan entsprechend detailiert aussehen zu lassen.

In Wirklichkeit hatte dort weder eine F6F noch eine Bf-/Me 109 sichtbare Blechstöße. In beiden Fällen waren die Blechlagen überlappend vernietet und anschließend verspachtelt, die jeweilige Trennung nur auf kürzeste Entfernung zu erkennen (siehe Seite "Blechstoß"). Die Spalten des Bausatzes sind also reine Fiktion. Gleiches gilt für viele andere WK II-Muster, insbesondere aus den USA.

Sind tatsächlich Blechstöße vorhanden,  gilt es zu berücksichtigen, dass Grundierung und Deckfarbe natürlich auch in diese Spalten eindringen und sie weniger sichtbar machen.

Ein Blechstoß hat im Original in etwa die Stärke eines Bleistiftstrichs. Maßstäblich verkleinert ist das in den gängigen Maßstäben nicht mehr darstellbar. Ein Meter Betrachtungsabstand zum Modell entspricht in der Realität einer Entfernung von mindestens 50 Metern. Da sieht man - ausgenommen Motorhauben - am echten Flugzeug keinen Blechstoß mehr.

Natürlich wirkt ein Modell mit hervorgehobener Detailierung, Pre- und Aftershading interessanter, zeigt das Können des Modellbauers. - Ob aber das, was man zeigt, ein Abbild der realen Maschine oder ein Kunstobjekt sein soll, muss jede/r selber entscheiden.


Details:

Einzelheiten, Feinheiten. Nicht zu verwechseln mit der o.a. Detailierung.

Prominentestes Beispiel sind Flügel- und Leitwerksprofile. Keineswegs sind sie  wie im Bausatz  immer symmetrisch (beiderseits mit der gleichen Wölbung). Manche Tragflächenprofile sind unten sogar konkav, also nach innen gewölbt. Bei Seitenleitwerken von Propellermaschinen findet sich zum Ausgleich aerodynamischer Strömungen nicht selten a) ein gewisser, von der Mittelachse abweichender Einstellwinkel (besonders ausgeprägt bei der F4U Corsair) und/oder b) ein asymmetrisches Profil, d.h. eine Seite ist stärker gewölbt als die andere (z.B. Bf-/Me 109, AD-/A-1 Skyraider).

Daneben gibt es aber auch leicht festzustellende und erforderlichenfalls zu korrigierende  Details:

 

Mit anderen Worten: Wer sich um die echten Details kümmert, erhält ein realistischeres  Modell, hat aber auch wesentlich mehr zu tun.


Empfehlenswerte Seiten zu echten Details (USN): http://tailspintopics.blogspot.com/



 

Diorama:

Miniaturansicht einer bestimmten Situation. Stilleben. Macht ein Modell auch für Nichtexperten interessant.

Voraussetzung für ein gutes Diorama sind nicht zahllose Zurüstteile, sondern das Wissen, wie eine bestimmte Situation auszusehen hat. Eine für das Modell typische Umgebung zu finden.

Überlegt sein will auch, ob man eine realistische Darstellung haben oder bei einem Wettbewerb einen Preis gewinnen möchte.

In letzterem Fall machen Sie es so wie allerorten zu sehen: Sämtliche Wartungsklappen malerisch um die Maschine drapiert, dazwischen allerlei Werkzeug.

Dass ein Mechaniker, wenn er einen Schraubenzieher bräuchte, erst einmal die Maschine umrunden müsste (" wo isser denn...") und er beim Arbeiten garantiert auf eine der herumliegenden Klappen treten würde, ist bei dieser Darstellungsmethode ebenso uninteressant, wie die Tatsache, dass er offenbar an allem gleichzeitig arbeitet. Ist er dann fertig, muss er alle Klappen vor dem Wiedereinsetzen erst mal kräftig schütteln, damit der Sand, der mittlerweile hineingeweht wurde, wieder herausfällt. Auf Flugzeugträgern kann er sich das Einsetzen schenken, denn bei dem üblichen Fahrtwind von 30 - 50 kmh liegen sie mittlerweile im Wasser.

Nein, so sieht die Wirklichkeit garantiert nicht aus!

Das Werkzeug eines Mechanikers befindet sich in der Werkzeugkiste und aufmachen tut er nur dort, wo er gerade hin will.  Der Motorenwart kümmert sich nicht um die Seitenrudertrimmung und ist dort was zu richten, macht man nicht die Motorhaube auf. Auch im Stand geöffnete Sturzflug- und Luftbremsen lassen die Frage nach dem Grund  zu.

Natürlich ist niemand gehindert, es genau so zu machen, wenn ihm das gefällt. Eine andere Frage ist, ob das, was man mit einiger Mühe und nicht wenig Geld so darstellt, überhaupt einen Sinn macht. Anders herum ausgedrückt: Warum achtet man peinlichst darauf, dass Abmessungen, Detailierung und Markierung des Modells bis ins Kleinste korrekt sind, um dann eine absolut realitätsferne Situation darzustellen?

 

Flugzeugträger sind ein besonderes Kapitel (s. Seite F, Flugzeugträger). Da ist nichts mit einem Feldflugplatz vergleichbar. An Deck steht alles dicht gedrängt, außer zum Aufmunitionieren oder Tanken finden Wartungsarbeiten im Hangar statt.

Beispiel für ein gesehenes Diorama mit der 1/48 SB2C von Revell/Monogram: Dem Bausatz liegen Teile für einen geöffneten Bombenschacht, nicht aber solche für beigeklappte Tragflächen bei. Auch die Besatzung fehlt.  Im realen Betrieb würde die Helldiver ihre Tragflächen erst unmittelbar vor dem Start ausklappen. Da sitzt die Besatzung drin und die Bombenklappen sind geschlossen (sonst käme sie gar nicht erst in die Luft). Lässt man den Bombenschacht wegen der guten Detailierung aber offen, muss man die Tragflächen beiklappen. Also "scratch" werkeln. Ich habe mich bei meinem Modell  (s. Seite Modellfotos 1") für ausgeklappte Flächen entschieden (Perforation der Sturzflugbremsen muss in jedem Fall aufgebohrt werden), musste dann aber die Besatzung und das Startpersonal selber machen).

Apropos Figuren:

Pilot mit Mechaniker vor Maschine Schwätzchen haltend, mag sich auf Propagandafotos gut machen. Kam/kommt aber in der Realität selten bis nie vor. Vor dem Einsatz hat der Pilot keine Zeit, danach in der Regel keine Lust mehr dazu. Und gibt es tatsächlich was mitzuteilen, steht man sich kaum kerzengerade gegenüber. Nur für Propagandafotos aufgestellt sind auch Einsatzbesprechungen vor einer Maschine, wo man einen Mann zum Karte-halten abkommandieren muss, damit der Kommandeur zeigen kann, wo es heute hingeht (was nicht immer ganz klar wird, wenn der Wind die Karte flattern lässt). In der Realität findet so etwas in einem Raum statt, wo man die Karte auf den Tisch legen kann, falls sie nicht an der Wand befestigt ist. - Warum nicht Situationen, wo sich gerade etwas tut? - Mechaniker kurbelt Anlasser, putzt nochmals Scheiben klar, hilft Piloten in die Gurte, stützt einen erschöpften oder hilft einem verwundeten Piloten, etc. (Die Wiedergabe des Rituals britischer WK II-Bomberbesatzungen, vor dem Start das Heckrad anzupinkeln, dürfte allerdings so schnell nicht zu kaufen sein). Nebenbemerkung: Verlindens 1/48 WK II-Flugzeugträger-Mechaniker tragen Jacken, wie sie nie auf einem Träger zu sehen waren (üblich waren eine Art Sweatshirt oder ein Pullover - in Tätigkeitsfarbe, s. Seite F - bzw. Hemd und Hose). Es gilt also sogar dabei, aufzupassen.

Aufzupassen gilt es auch, ob das, was man darstellen möchte, technisch-historisch Sinn macht. Eine F4U-4 Corsair mit Korea-Markierungen kann nicht auf einer Südseeinsel stranden, eine japanische Marinemaschine nicht von Heerespiloten geflogen werden. Die Ausrüstung von Besatzungen der verschiedenen Luftstreitkräfte unterscheidet sich teilweise erheblich, so dass man, auch wenn dem Bausatz eine Figur beiliegen sollte, keinen USAF-Piloten in eine deutsche Phantom setzen sollte.

Im Ergebnis: Mit einem gekonnten Diorama können Sie auch Nichtfachleute für unser Hobby erwärmen (von der Begeisterung der Fachleute ganz zu schweigen), neben dem Können etwas vorherige Überlegung vorausgesetzt.