Modellbau-ABC von Wilfried Eck

 
 
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  Deck (Flugzeugträger) Detailierung  Details Diorama  

Deck (Eigenbau für Flugzeugträger-Modelle):

Hat eine F6F Hellcat, eine F4U Corsair, etc. eine geometrische Markierung am Seitenleitwerk, handelt es sich um eine Maschine, die ausschließlich auf einem Flugzeugträger eingesetzt war und niemals von Landbasen aus flog.  Für ein realistisches Display ist also ein Teilstück eines Trägerdecks erforderlich.

Decks von Weltkrieg US Flugzeugträgern waren zwar aus Holz, aber nicht holzfarben. Ein honigfarbener Fleck inmitten dunkelblauen Wassers wäre aufgefallen wie eine Warze auf der Nase.  Deshalb wurden alle Decks getarnt, die Farbe entsprach in etwa den Rumpfseiten der jeweils eingesetzten Flugzeuge. Blaugrau bis Herbst 1944, blauschwarz danach. Anfänglich noch mit kontrastierenden hellen Decksmarkierungen, dann zunehmend dunkler bis hin zu Schwarz um jap. Kamikazes keine Zielmarkierung zu liefern.  Ein weiterer, ebenso wichtiger Grund für den Farbauftrag war Schutz vor Seewasser. Vollgesogene Holzbalken sind schwerer und beeinflussen die Schiffslage ungünstig (Toplastigkeit). Ein schwankendes Deck erschwert die Landung noch mehr.

Leider hat sich das noch nicht bis zu den Herstellern von Zubehör herumgesprochen. Zu gebrauchen sind nur Darstellungen aus Plastik, weil man die passend übermalen kann.

Selbermachen ist gar nicht so schwer. Wie es geht, zeige ich auf der gesonderten Seite "Deck-Eigenbau".


 

Detailierung:

Der Modellbauer versteht hierunter die Betonung von Blechstößen durch dunkle Farbe.

Der Hersteller orientiert sich üblicherweise an einem Plan. Das muss keine Blaupause aus dem Werk sein, jede plausibel erscheinende Zeichnung tut es auch. Der Zeichner wiederum setzt allen Ehrgeiz daran, sein Werk möglichst detailiert erscheinen zu lassen. Also malt er z.B. am hinteren Rumpf einer F6F Hellcat oder einer Bf-/Me 109 senkrechte Striche, um die verschiedenen Blechlagen darzustellen. Der Graveur des Bausatzherstellers setzt dies wiederum in entsprechende Rillen um, um das Modell dem Plan entsprechend detailiert aussehen zu lassen.

In Wirklichkeit hatte dort weder eine F6F noch eine Bf-/Me 109 sichtbare Blechstöße. In beiden Fällen waren die Blechlagen überlappend vernietet und anschließend verspachtelt, die jeweilige Trennung nur auf kürzeste Entfernung zu erkennen (siehe Seite "Blechstoß"). Die Spalten des Bausatzes sind also reine Fiktion. Gleiches gilt für viele andere WK II-Muster, insbesondere aus den USA.

Sind tatsächlich Blechstöße vorhanden,  gilt es zu berücksichtigen, dass Grundierung und Deckfarbe natürlich auch in diese Spalten eindringen und sie weniger sichtbar machen.

Ein Blechstoß hat im Original in etwa die Stärke eines Bleistiftstrichs. Maßstäblich verkleinert ist das in den gängigen Maßstäben nicht mehr darstellbar. Ein Meter Betrachtungsabstand zum Modell entspricht in der Realität einer Entfernung von mindestens 50 Metern. Da sieht man - ausgenommen Motorhauben - am echten Flugzeug keinen Blechstoß mehr.

Natürlich wirkt ein Modell mit hervorgehobener Detailierung, Pre- und Aftershading interessanter, zeigt das Können des Modellbauers. - Ob aber das, was man zeigt, ein Abbild der realen Maschine oder ein Kunstobjekt sein soll, muss jede/r selber entscheiden.



 

Details:

Einzelheiten, Feinheiten. Nicht zu verwechseln mit der o.a. Detailierung.

Prominentestes Beispiel sind Flügel- und Leitwerksprofile. Keineswegs sind sie  wie im Bausatz  immer symmetrisch (beiderseits mit der gleichen Wölbung). Manche Tragflächenprofile sind unten sogar konkav, also nach innen gewölbt. Bei Seitenleitwerken von Propellermaschinen findet sich zum Ausgleich aerodynamischer Strömungen nicht selten a) ein gewisser, von der Mittelachse abweichender Einstellwinkel (besonders ausgeprägt bei der F4U Corsair) und/oder b) ein asymmetrisches Profil, d.h. eine Seite ist stärker gewölbt als die andere (z.B. Bf-/Me 109, AD-/A-1 Skyraider).

Daneben gibt es aber auch leicht festzustellende und erforderlichenfalls zu korrigierende  Details:

 

Mit anderen Worten: Wer sich um die echten Details kümmert, erhält ein realistischeres  Modell, hat aber auch wesentlich mehr zu tun.


Empfehlenswerte Seiten zu echten Details (USN): http://tailspintopics.blogspot.com/



 

Diorama:

Die beste Methode, mit einem Modell Aufmerksamkeit zu erregen besteht darin, das Modell in einer passenden Umgebung zu zeigen. Das lockt in einer Ausstellung auch Leute an, die sich nicht so genau auskennen.

Aber selbst Leute die sich nicht so genau auskennen, werden sich vielleicht fragen, warum im gezeigten Fall  alle Klappen und dazu noch Werkzeug am Boden herumliegt. Stört das nicht? Weht es da keinen Sand hinein?  Wer noch ein bisschen mehr nachdenkt, kommt wahrscheinlich drauf, dass auf einem Flugzeugträger die Wartungsklappen hinterher gar nicht mehr eingebaut werden müssen, weil sie der Wind davon geweht hat.

Es kann also nicht schaden, vor dem Einbau teurer Zurüstteile etwas nachzudenken.

 

Flugzeugträger-Maschinen:  Eine Katastrophe! - Zurückgehend auf Fancois Verlinden, der vor Urzeiten zum Zeigen seiner neuen Figuren der US Army Air Force  eine Corsair aus dem Koreakrieg notgelandet am Strand einer Südseeinsel placiert hat. Das Beispiel machte Schule, obwohl seitdem viel Zeit zur besseren Information zur Verfügung stand, werden noch immer Navy-Maschinen auf Südseeinseln gezeigt. - Wäre in Korea eine Corsair zur Notlandung gezwungen gewesen, hätte sie es garantiert nicht mehr zu den mehr als tausend Seemeilen entfernten Südseeinseln geschafft.  Auch ansonsten waren bordgestützte Maschinen nie auf einer Insel zu finden, auch nicht notgelandete, denn im Operationsgebiet eines Trägers gab es nirgends eine Notlandeinsel. Éin glattes Modellbauermärchen! - Umgekehrt waren F4U Corsairs in Dreifarbenanstrich nur an Land und nicht auf einem Träger stationiert.

(s. Seite F, Flugzeugträger)

 

Figuren:

Hersteller von Figuren machen es dem Modellbauer nicht leicht. Es wird  beschäftigungslos kerzengerade herumgestanden oder lässig im Liegestuhl gehockt. Einen Mechaniker, über den Motor gebeugt, findet man selten und gibt es mal Leute, die eine Hellcat aufmunitionieren (Verlinden), tragen sie eine Bekleidung, die niemals auf einem US-Träger zu sehen war.

Beispiel Tamiya, US Navy 1/48: Mehrere Piloten hocken im Halbkreis herum.  Im Original ein Propagandafoto vor der Maschine. Bei Tamiya würde es Sinn machen, wenn die Figur eines Fotografen dabei wäre. Ist sie aber nicht. Warum also sollten sich eine Handvoll Piloten auf einem zugigen Flugzeugträger vor eine Maschine setzen?. - Propagandafotos verleiten generell zu einem völlig falschen, realitätsfremden Eindruck. Bestes Beispiel sind Nachtjäger in gleißendes Licht gebadet. Im Original würde der Pilot so geblendet, dass er die Maschine keinen Meter weit mehr rollen könnte.

In keiner Luftwaffe der Welt wird der Einsatz erst unmittelbar vor dem Start besprochen. Eine im Wind flatternde Karte wäre auch nicht sehr hilfreich.

Warum nicht Situationen, wo sich gerade etwas tut? - Mechaniker kurbelt Anlasser, putzt nochmals Scheiben klar, hilft Piloten in die Gurte, stützt einen erschöpften oder hilft einem verwundeten Piloten, etc. (Die Wiedergabe des Rituals britischer WK II-Bomberbesatzungen, vor dem Start das Heckrad anzupinkeln, dürfte allerdings so schnell nicht zu kaufen sein). Nebenbemerkung: Verlindens 1/48 WK II-Flugzeugträger-Mechaniker tragen Jacken, wie sie nie auf einem US-Träger zu sehen waren (üblich waren eine Art Sweatshirt oder ein Pullover - in Tätigkeitsfarbe, s. Seite F - bzw. Hemd und Hose). Es gilt also sogar dabei, aufzupassen.

Sogar bei Kleinigkeiten gilt es aufzupassen: Die USAF hat/te andere Helme als die US Navy und die Bundeswehr hat/te wieder andere.